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Politik Inland
04/20/2020

FPÖ-Chef Norbert Hofer: Der Blaue hat den Blues

Der Chef der Bundes- und der burgenländischen Landes-FPÖ trauert seinen beiden Traum-Jobs nach.

von Thomas Orovits

Es ist noch nicht lange her, da hatte Norbert Hofer gewichtige Kritiker. Als der Freiheitliche im Dezember 2016 bei der Bundespräsidenten-Stichwahl gegen Alexander Van der Bellen den Kürzeren gezogen hatte, war die Erleichterung, dass „der Populismus in Europa nicht unaufhaltsam“ sei, so oder so ähnlich aus vielen EU-Staatskanzleien zu vernehmen.

Heute finden sich die Kritiker Hofers, mittlerweile – mehr aus Pflicht denn aus Neigung – Chef der Bundes- und der noch maroderen burgenländischen Landes-FPÖ, nicht in Brüssel, Paris oder Berlin – sondern in seiner burgenländischen Heimat, im Bezirk Oberpullendorf.

Hofer habe den früheren FPÖ-Frontmann Heinz-Christian Strache „kaltblütig abgeschossen“, beklagte Herbert Adelmann am Palmsonntag und lief zu seinem über Ibizagate gestolperten Idol HC und dessen Plattform Allianz für Österreich (DAÖ) über. Im Schlepptau hatte FPÖ-Bezirkschef Adelmann 14 der 20 blauen Vorstandsmitglieder.

Adelmann sei bloß seinem Parteiausschluss zuvorgekommen, reagierte Hofer prompt auf den Ausritt des kleinen Funktionärs, der bis dato nur durch ein 20-minütiges Youtube-Video aufgefallen war, in dem er in immer neuen holprigen Anläufen ein Fußballnationalstadion im Mittelburgenland fordert.

Autoritätsverlust

Keine gute Figur machte am Ende aber auch Hofer, sagt Politologe und Meinungsforscher Peter Filzmaier im KURIER-Gespräch. Hätte er Adelmann nicht gekontert, stünde er als führungsschwach da. Durch seine Reaktion auf den Nobody habe er sich aber selbst kleingemacht. Die Aufgabe sei für Hofer „unlösbar“ gewesen.

Der Mann aus Pinkafeld, der es 2016 vielleicht nur deshalb nicht an die Spitze des Staates geschafft hat, weil seine Äußerung im Wahlkampf, man werde „sich wundern, was alles gehen wird“, zu vielen Österreichern eine zu bedrohliche Auslegung des Präsidentenamtes schien, wundert sich inzwischen vermutlich selbst.

Über politische Fallhöhen

Der Dritte Nationalratspräsident, der 2016 im Rennen ums höchste Staatsamt 46,2 Prozent erreicht hatte und seiner Partei eine glänzende Zukunft zu eröffnen schien, vermag jetzt nicht einmal mehr, die eigene Landespartei geschlossen hinter sich zu versammeln. Denn schon beim Landesparteitag am 7. März in Neudörfl konnte selbst Hofers Antreten in letzter Minute nicht verhindern, dass sich ein Viertel der Delegierten für Gegenkandidat Manfred Haidinger entschied – auch kein FPÖ-Goliath.

Der 49-jährige Chef-Blaue Hofer hat den Blues, so scheint’s. Die zwei Ämter, die er wirklich wollte, hat er verfehlt oder – im Fall des Infrastrukturministers – nur kurz ausüben können. Wenn Hofer immer wieder anklingen lässt, wie gern er mit Türkis weiterregiert hätte, wirkt das wie Trauerarbeit. Hingegen: Parteichef im Bund oder im Burgenland stand „sicher nicht auf Norberts Agenda“, sagt ein langjähriger Weggefährte Hofers. In den Worten des Politik-Experten Filzmaier: „Hofer hat sein persönliches strategisches Ziel verloren“.

Das sehen offenbar auch die Wähler so. Bei der letzten Nationalratswahl haben sie Herbert Kickl, mit dem sich Hofer de facto die Führung der Bundes-FPÖ teilt, per Vorzugsstimmen schon vor Spitzenkandidat Hofer gereiht. Ein Fingerzeig, denn, so Filzmaier: „Die Zwei-Marken-Strategie funktioniert nur auf dem Reißbrett“. Irgendwann stelle sich die Frage nach dem „Entscheidungszentrum“.

Und dann heißen die Gegner nicht Adelmann oder Haidinger.