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Politik Inland
11/09/2020

Forscher zu Corona-Patienten: "Sind im kritischen Bereich angekommen"

Wenn die Infektionszahlen nicht sofort hinuntergehen, droht laut Prognosen eine Überlastung der Spitäler.

von Elisabeth Hofer

Diskussionen rund um das Coronavirus und den richtigen Umgang damit sind längst Alltag geworden. Trotz aller wichtigen Fragen geht es am Ende aber immer nur um die eine: Steht unser Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch?

Zusammenbruch – das bedeutet, dass in einem der wohlhabendsten Länder Europas Menschen sterben werden, weil es nicht genug Ressourcen gibt, sie entsprechend zu behandeln.

Es ist etwas mehr als zwei Wochen her, da hatte Peter Klimek, Statistiker und Komplexitätsforscher des Complexity Science Hub, dem KURIER erklärt: „Kritisch wird es, wenn wir über einen Zeitraum von zwei Wochen hindurch täglich zwischen 5.000 und 8.000 Neuinfektionen haben.“ Bei einem erneuten Gespräch erklärt er nun: „Wir sind absolut in diesem kritischen Bereich angekommen.“ Es sei klar, dass wir in den kommenden Wochen die Kapazitätsgrenzen der Spitäler erreichen werden. Das heißt auch, dass kaum noch Zeit bleibt, sich die Entwicklungen und die Auswirkungen der von der Bundesregierung gesetzten Maßnahmen anzuschauen und abzuwägen, was weiter zu tun sei.

Prognosen seien ohnehin schwierig, weil die Kurve nicht nur einem exponentiellen Wachstum unterliege, sondern die tägliche Zuwachsrate auch unregelmäßig sei. „Die Zahlen müssen jetzt hinunter“, sagt Klimek, andernfalls drohe die Überlastung der Spitäler. In den nächsten Tagen würden nämlich vor allem jene Regionen, die schon bisher unter Druck waren, noch stärker belastet. „Das liegt am Verzögerungseffekt“, erklärt Klimek. Dieser lasse sich anhand der sogenannten „Boris-Johnson-Kurve“ beschreiben, die mögliche kritische Punkte im Krankheitsverlauf zeigt. Sie ist nach dem britischen Premier benannt, bei dem sich die Symptome erst mehr als eine Woche nach seiner positiven Testung derart verschlechterten, dass er intensivmedizinisch betreut werden musste. Das wiederum bedeute, dass ein Teil der aktuellen Neuinfizierten erst in etwa zwei Wochen ein Intensivbett brauchen, sich also die zur Zeit besorgniserregend hohe Zahl an Neuinfektionen erst in geraumer Zeit im Intensivbereich niederschlagen wird.

Gefährlich sei aber auch die Zeit ganz zu Beginn der Ansteckung, bis die Infizierten beginnen, Symptome zu spüren. „Hier gibt es eine kritische Periode von ein bis zwei Tagen, in der ich Personen anstecken kann, ohne mich selbst krank zu fühlen“, erklärt Klimek. Nur vorbeugendes Vermeiden von Kontakten könne da entgegenwirken. „Und hier stellt sich die Frage, ob ein Teillockdown reicht, oder wie im Frühjahr wieder alles heruntergefahren werden muss“, sagt der Statistiker.

Dass sich die von der Regierung gesetzten Maßnahmen bemerkbar machen, zeichne sich bereits jetzt ab. Ob aber die Zahlen dadurch so stark zurückgehen, dass es im Gesundheitssystem wieder mehr Luft gibt und langfristige Strategien erarbeitet werden können, sei fraglich.

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