© Lindorfer Raffaela

Politik Inland
09/01/2021

Ex-Minister Anschobers Ideen für höhere Impfquoten

Der frühere Gesundheitsminister baut sich gerade eine Existenz als Selbstständiger auf. Im KURIER äußert er Sorge über den Impffortschritt.

von Raffaela Lindorfer

Er ist jetzt sein "eigener Chef und Sekretär“, erzählt Rudolf Anschober stolz, als ihn der KURIER am Dienstag telefonisch erreicht. Der ehemalige grüne Gesundheitsminister baut sich gerade seine neue berufliche Existenz als Selbstständiger auf. Demnächst startet er mit ersten Vorträgen zu den Themen Krisenvorsorge, Sozial- und Gesundheitspolitik in Hinblick auf Pandemie und Klima. Bis Ende September wird zudem sein Buchprojekt spruchreif.

Bei seinen Vorträgen will der Ex-Minister auch auf ein aktuell brennendes Thema eingehen: das Impfen. „Wir müssen schleunigst von den derzeit 60 auf mindestens 80 Prozent kommen, sonst schaffen wir die Krise nicht. Es kommt auf jeden Einzelnen an“, betont er. Und er verrät seine Ideen, wie man die Impfquote steigern könnte.

Es brauche jetzt Aktionen, die auf die Zielgruppen zugeschnitten und "noch näher an den Bürgern dran sind", sagt Anschober. Und da könne man durchaus zu "unorthodoxen Methoden" greifen. In Wien wird beispielsweise in Supermärkten geimpft, im Stephansdom oder kürzlich bei einem Rockkonzert. Anschober: "Solche Aktionen schaffen auch die nötige Aufmerksamkeit für dieses wirklich wichtige Thema."

Der frühere Gesundheitsminister glaubt, dass es oft nicht am Willen scheitere, sondern an der Umsetzung: Manche Menschen würden sich schwer tun, einen Impftermin zu organisieren. Spanien habe dafür eine Lösung gefunden, schildert Anschober: Ungeimpfte Bürger wurden direkt von der Regierung angeschrieben. Sie bekommen eine Einladung mit einem Impftermin. "Es ist leichter, mitzumachen, wenn schon alles organisiert ist. Und es ist schwieriger, auszusteigen“, so der Gedanke.

Anschober hütet sich aber davor, seinem Nachfolger Wolfgang Mückstein Ratschläge zu erteilen oder aktuell brisante Fragen wie die 1-G-Regel zu kommentieren. „"Wir haben einen sehr guten Gesundheitsminister, ich mische mich da nicht ein", sagt er. Er gibt sich überzeugt, dass von offizieller Stelle noch eine Impfkampagne mit der notwendigen Zielgruppenorientierung durchgeführt werden wird.

Mücksteins Stil

Das Impfen – und Corona insgesamt – seien "extrem emotionale Themen", weiß Anschober aus eigener, mitunter leidvoller Erfahrung. Im April ist der 60-jährige Oberösterreicher aus Rücksicht auf seine Gesundheit zurückgetreten. Auch, weil die Arbeitslast und die Anfeindungen zu viel geworden seien, wie er in einem früheren Interview schilderte (der KURIER berichtete). 

Anschober galt als passionierter und geduldiger Kommunikator. Auf den Höhepunkten der Krise verging kein Tag ohne Pressekonferenz und Taferl. Mückstein hat einen ganz anderen Stil. Er reduziert die Gesprächsrunden mit Landeshauptleuten und Gremien auf ein Minimum, auch mit öffentlichen Auftritten ist er eher sparsam.

Und das sei auch in Ordnung, heißt es aus Ministeriumskreisen. Denn: "Für Krisenkommunikation gibt es keine Zauberformel."

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