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Politik | Inland
03/03/2015

Neue Mittelschule hält nicht, was versprochen wurde

Enttäuschende Bilanz: Leistungen der Kinder nicht besser als in Hauptschule - Konzept mangelhaft umgesetzt.

Am Dienstag wurde der Bildungsgruppe der Regierung auch das Ergebnis der ersten Evaluation der Neuen Mittelschule präsentiert. Die Studie, die dem KURIER vorliegt, ist für die SPÖ-Bildungspolitik wenig erfreulich.

Die Bilanz der Bildungsforscher rund um den Salzburger Professor Ferdinand Eder ist auf mehr als 400 Seiten durchwachsen. Das pädagogische Ziel, ob an den NMS Wissen besser vermittelt werden könne, "kann nicht festgestellt werden". Allerdings werde "das bisherige Niveau (..) auch nicht unterschritten". Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die NMS letztlich nicht wurde, was geplant war: Eine gemeinsame Schule – AHS-Unterstufe gibt es ja bis heute.

Positiv sei, dass durch die NMS die "schulische Lebenswelt" qualitativ besser geworden sei. Der Unterricht passe sich besser an die Schüler an, es gebe "weniger Gewalt", und einen "kleinen Anstieg an Zufriedenheit". Die wesentliche Frage, ob die NMS "in gesellschaftlicher Hinsicht, insbesondere zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit" beitragen könne, verneinen die Forscher, auch wenn es einen "geringfügigen Zuwachs im Zugang zu den Oberstufengymnasien" gebe.

Fazit: Dafür, dass die Neue Mittelschule deutlich teurer ist, etwa durch Klassen mit zwei Lehrern ("Team-Teaching") ist das Studienergebnis "Nicht genügend". Denn der Minimalanspruch lautete, eine Schulform zu schaffen, die bessere Ergebnisse liefert als die Hauptschulen.

Eine harte Debatte über Sinn- und Unsinn dieser Schulform wird Ministerin Heinisch-Hosek aber sicher nicht erspart bleiben. Vor allem die um 300 Millionen höheren Kosten werden mit Sicherheit angesichts des klammen Bildungsbudgets in Frage gestellt werden.

Glaube an schnellen Erfolg "naiv"

Als "furchtbar naive Annahme" bezeichnete der Bildungsforscher Stefan Hopmann die Idee, dass sich mit der Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) schnelle Verbesserungen im Bildungssystem erzielen lassen. Die durchwachsenen Ergebnisse der Evaluierung seien für ihn nicht überraschend, es sei sogar verwunderlich, dass die "Anfangsdelle" in den Leistungen nicht größer ausfiel.

"Ich wäre böse überrascht gewesen, wenn es da wirklich einen massiven Erdrutsch oder eine massive Steigerung gegeben hätte", so der Forscher vom Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Ähnliches habe sich auch bereits in Längsschnittuntersuchungen abgezeichnet, die Hopmann und sein Team durchführen.

Wer glaube, dass sich mit der NMS-Einführung Schülerströme verändern oder kurzfristige Leistungszuwächse erzielen lassen, "ist auf dem falschen Dampfer und versteht nichts von Schule", so Hopmann. Ein Problem der seines Erachtens nach "voreiligen" Fixierung der NMS als Regelschule 2012 ist die Konzentration der bereitgestellten Zusatzressourcen auf das Teamteaching. Das könne in manchen Situationen zwar sinnvoll sein, manchmal mache es aber auch mehr Sinn "mit flexiblen Gruppen und Zusammensetzungen zu arbeiten, anstatt zwei Lehrer in die Klasse zu stellen".

Schulen "überfallen"

Durch das "blödsinnige NMS-Gesetz sind da einfach Sachen eingefroren und vorgeschrieben worden, die überhaupt nicht notwendig waren und die Schulen direkt daran gehindert haben, zum Teil zu tun, was für den jeweiligen Standort richtig gewesen werde". Viel an Engagement an den Schulen sei vernichtet worden, indem man "mitten im Prozess die Leute mit dem Gesetz überfallen" habe, erklärte der Forscher. Ob an einzelnen Standorten die Umsetzung des Konzeptes mit den erwünschten positiven Effekten gelingt, sei von sehr vielen Faktoren abhängig und liege bei weitem nicht nur am Umgang der einzelnen Schulen damit, wie in dem Evaluierungs-Bericht anklinge.

Die Konsequenz aus all dem Wissen über die NMS sei, dass man den Schulen den nötigen Spielraum und die Zeit lassen müsse, "für die jeweilige Schule die richtige Lösung zu schneidern. Die sieht nunmal in Simmering anders aus als in Hermagor und dort wieder anders als in Feldkirch".