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Politik Inland
01/11/2021

Nach Aschbacher-Affäre: Politik hofft auf ein reinigendes Gewitter

Die Uni Bratislava und die FH Wiener Neustadt wollen jetzt ihre Arbeit und die Praxis ihrer Häuser genau unter die Lupe nehmen.

von Ute Brühl, Bernhard Gaul

Hoppertatschige ZiB2-Interviews sind schon so manchen Interviewten zum Verhängnis geworden. Aber noch nie so wie Christine Aschbacher. Hätte sie nicht so phrasenhaft geantwortet, wäre der Plagiatsforscher Stefan Weber – so sagt er – nicht auf die Idee gekommen, ihre Magisterarbeit zu überprüfen.

Es ist aber geschehen, und der Salzburger Forscher hat damit eine riesige Diskussion über wissenschaftliche Redlichkeit, erschlichene akademische Grade und den europäischen Hochschulraum ausgelöst.

Sowohl die FH Wiener Neustadt, wo Aschbacher 2006 ihren Magister verliehen bekommen hat, als auch die TU Bratislava, wo sie knapp vor Verleihung der Doktorwürde steht, wollen jetzt ihre Arbeit und die Praxis ihrer Häuser genau unter die Lupe nehmen. Alles andere als eine Aberkennung wäre wohl verwunderlich. Aber steckt der Wurm im System? Ist Feuer am Dach der FHs und Unis?

Erst 2020 hatte Aschbacher die Doktorarbeit in Bratislava an der Technischen Universität (Slovenská technická univerzita – STU) eingereicht. Dort wurde die Arbeit mit dem staatlichen Antiplagiat-System überprüft, das eine Übereinstimmung mit fremden Texten von nur 1,15 Prozent gefunden haben will. „Das ist minimal – aus dieser Sicht handelt es sich also nicht um ein Plagiat“, verteidigt sich die Uni jetzt.

Allerdings sind vor allem slowakische Texte in der Datenbank, kaum deutsche. Die Software ist also zu einem überwiegenden Teil blind. Weber hat festgestellt, dass mehr als 20 Prozent der Arbeit gefälscht war, das attestierte die Plagiatssoftware in Österreich. Was zur Stunde niemand beantworten kann: Wie konnten solche Arbeiten überhaupt als akademisch durchgehen? Das wird jetzt überprüft.

In Österreich gibt es immer mehr Fachhochschulen, aber immer weniger Schulabgänger. Gibt es da nicht zwangsläufig einen Wettbewerb um Studierende und somit um den einfacheren Studienort?

Wachstum

Kurt Koleznik, Generalsekretär der Fachhochschul-Konferenz, verneint das: „Natürlich brauchen FHs eine kritische Masse an Studierenden, und die FHs wollen im Normalfall auch wachsen, damit sich die oft Millionen teuren Investitionen rechnen. Dennoch geht es nicht um Wachstum um jeden Preis.“ Das Wachstum müsse unter gewissen Qualitätsstandards geschehen: "Eine Akkreditierung für einen Studiengang zu erhalten ist keine triviale Angelegenheit. Die verpflichtenden Aufnahmeprüfungen sollen zusätzlich ein qualitatives Regulatorium sein, denn nur wer sich auch wirklich für ein Studium eignet bzw. interessiert wird diese Hürde auf sich nehmen. Aus ähnlichen Gründen gehen auch Universitäten zunehmend den Weg der Aufnahmeprüfungen", erläutert Koleznik.

Die Causa Aschbacher ist nun Sache der FH Wiener Neustadt: „Diese muss einen vertrauenswürdigen Prozess in Gang setzen, der objektiv feststellt, ob die Arbeit ein Plagiat ist. Das kann durchaus auch durch einen externen Gutachter geschehen“, sagt Koleznik.

Auch die Politik habe eine Verantwortung. Darauf weist Helga Krismer, Chefin der NÖ-Grünen, hin: „Klubobmann Klaus Schneeberger ist Aufsichtsratvorsitzender der FH Wiener Neustadt, und da zeigt sich wieder das Schalten und Walten der Mehrheitsfraktion in diesem Lande. Schneeberger ist in seiner Funktion als Aufsichtsrat angehalten, Aufklärung und Transparenz in dieser Causa zu betreiben.“

Krismers Hoffnung: „Vielleicht ist die Causa so ein Weckruf wie der Glykol-Skandal: Es werden Qualitätssicherungsmaßnahmen geschaffen, die tatsächlich wirken. Nur so kann eine Erosion der FH-Standorte verhindert werden.“

Schneeberger (ÖVP) kündigte eine umfassende Prüfung an: „Gemeinsam mit Geschäftsführung, Kollegium und Aufsichtsrat setze ich alles daran, um strenge Maßstäbe in der Ausbildung und in der Beurteilung sicherzustellen. Wissenschaftliche Integrität ist das Fundament der FH Wiener Neustadt.“

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