Selbstbewusst in den Frauentag: Die Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung haben Wirkung gezeigt: Mädchen sind mittlerweile oft besser ausgebildet als Burschen

© APA/AFP/Ritzau Scanpix/NILS MEILVANG

Politik Inland
03/08/2020

Dilemma ungelöst: „Heim und Kinder“ oder Karriere

Der KURIER hat in Statistiken gestöbert: Frauenpolitik zeigte Wirkung, traditionelle Werte wirken aber weiter stark

von Raffaela Lindorfer

„Was die meisten Frauen wirklich wollen, ist ein Heim und Kinder.“

Dieser Annahme erteilten 60 Prozent der Befragten in der österreichischen Wertestudie im Jahr 2018 eine Absage. Immerhin.

1990, also vor 30 Jahren, war das Verhältnis umgekehrt: Fast zwei Drittel der Befragten stimmten dem zu.

Das traditionelle Rollenbild scheint in Auflösung. Oder sind das nur Lippenbekenntnisse? In der Realität wiegt die Entscheidung für „Heim und Kinder“ nämlich noch immer schwer.

In einer neuen Studie der Agenda Austria sagt Ökonomin Monika Köppl-Turyna, der „gender pay gap“ sei in Wahrheit ein „motherhood pay gap“. „Der Gehaltsunterschied liegt im Kinderwagen.“

Jene, die in Österreich im vergangenen Jahrzehnt Frauenpolitik gemacht haben, können sich nur bedingt auf die Schulter klopfen.

Ja, die Reformen der vergangenen Jahrzehnte und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung – ein gewisses Aufrütteln – haben Wirkung gezeigt: Mädchen sind mittlerweile oft besser ausgebildet als Burschen, auch die Mehrheit der Maturanten ist weiblich. Laut der Hochschulprognose der Statistik Austria werden 2035 fast zwei von drei jungen Frauen die Matura in der Tasche haben.

 

Schritt zwei der Problematik: In Österreich liegt die Frauen-Teilzeitquote bei 48 Prozent. Selbst wenn das jüngste Kind bereits zehn bis 15 Jahre alt ist, arbeitet nur ein Drittel der Mütter in Vollzeit. Das ist nicht unbedingt vom Patriarchat so diktiert: „Auch viele Frauen sind der Meinung, dass das Familienleben leidet, wenn sie Vollzeit arbeiten.“

Diese Mentalität hat laut der Ökonomin einen großen Anteil daran, dass Österreich in Rankings zur Gleichberechtigung kaum vom Fleck kommt. In einer Studie zu den lebenswertesten Ländern für Frauen, in die neben Faktoren in der Arbeitswelt auch Bildung, Gesundheit, Lebensstandard und Sicherheit einfließen, liegt Österreich recht passabel auf Platz 9 – vor Deutschland und der Schweiz.

Immer auf den vordersten Plätzen: der Norden Europas. Hier gebe es teils völlig andere soziale Normen, sagt Ökonomin Köppl-Turyna. Als Paradebeispiel nennt sie Dänemark. Fast 80 Prozent der Kinder sind dort schon vor dem zweiten Lebensjahr in Betreuung, die eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern zulassen.

Unternehmen bedenken mit, dass beide Elternteile am späteren Nachmittag und Abend Zeit für die Kinder brauchen – sie planen Meetings entsprechend. Dass das Familienleben unter dem Job leidet, sagen nur 19 Prozent der Däninnen. In Österreich sind es 52 Prozent der Frauen.

Ist die Politik im Norden so innovativ – und die Bevölkerung hat ihre Angebote aufgesogen? Oder hat die Bevölkerung das eingefordert – und die Politik ist gefolgt? Das sei eine „Henne-Ei-Frage“, meint die Ökonomin. Was es jedenfalls brauche, ist, dass sich Männer bei der Familienarbeit mehr engagieren. Im Idealfall gleich stark.

 

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