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Politik Inland
10/13/2019

Das Vorarlberg-ABC: Was das Bundesland besonders macht

Heute ist Wahltag. Das Ländle im Porträt: von Architektur bis Zivilgesellschaft.

von Christian Willim

Bei der heutigen Landtagswahl in Vorarlberg sind 270.536 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Wie groß die Beteiligung gerade einmal zwei Wochen nach den Nationalratswahlen sein wird, zählt zu den großen Unbekannten.Mit zwölf Listen ist die Auswahl so groß wie nie zuvor. Realistische Chancen auf Mandate haben aber wohl nur die fünf bereits im Landtag vertretenen Parteien. Wer als Erster über die Ziellinie gehen wird, darüber gibt es keine Zweifel: Die ÖVP von Landeshauptmann Markus Wallner.

Grüne, FPÖ, Neos und SPÖ warnen davor, dass er die 2014 verlorene absolute Mandatsmehrheit wieder holen könnte. Um die dafür mindestens 19 nötigen Mandate zu holen, müsste die ÖVP laut SORA-Hochrechner Christoph Hofinger an die 48 Prozent herankommen.

Stimmen könnten von der in Vorarlberg traditionell eigentlich starken FPÖ kommen, die fürchten muss, in den Spesen- und Ibiza-Strudel zu geraten. Die Grünen wollen ihr Sensationsergebnis von 2014 (siehe Grafik) halten. Für sie geht es um die Fortsetzung der Koalition mit der ÖVP. Die Neos könnten sich als Ersatz ins Spiel bringen.  Sie dürfen mit Zugewinnen rechnen. Für die SPÖ wäre es schon ein Erfolg, wenn sie wieder einmal mit einem Plus abschneiden würde.

ABC des modernen Ländles

A wie Architektur

Dass das Ländle selbst im hintersten Winkel vermag, auch Modernität zu vermitteln, ist dem ausgeprägten Hang zu hochwertiger Architektur zu verdanken. Gesetzt wird dabei vielfach auf Vorarlberger Holzbaukunst.

B wie Bregenz

Klein aber fein: Mit knapp 30.000 Einwohnern ist die Landeshauptstadt überschaubar groß. Die Bregenzer Festspiele haben jedoch internationale Strahlkraft. Der Bodensee lässt im Sommer mediterranes Flair aufkommen.

C wie Conrad Sohm

Ein legendärer multikultureller Treffpunkt in Dornbirn mit Livekonzerten und Klubnächten.

D wie Dornbirn

Mit fast 50.000 Einwohnern – deutlich mehr als Bregenz (siehe B) – größte Stadt im westlichsten Bundesland.

E wie Einwohner

Vorarlberg wächst. Anfang 2019 betrug die Einwohnerzahl 394.297 Menschen. Die 400.000-Marke wird also bald geknackt.

F wie Fläche.

2601 Quadratkilometer. Nur Wien hat noch weniger Platz.

G wie Grenzgänger

So werden jene rund 15.000 Vorarlberger genannt, die – vor allem aufgrund des höheren Lohnniveaus – zum Arbeiten in die Nachbarländer Schweiz und Liechtenstein pendeln.

H wie Heugabeln

Bregenzerwälder Bäuerinnen haben 1807 die Musterungskommission der bayerisch-französischen Armee mit Heugabeln vertrieben, um ihre Söhne und Männer vor dem Einzug zum Kriegsdienst zu bewahren.

I wie Ibiza

Der Ibiza-Skandal hat den Vorarlbergern heuer einen besonders kurzen Landtagswahlkampf beschert (siehe Verschiebung). Den Parteien blieben nur zwei Wochen für Werbung in eigener Sache.

J wie Jahreskarte

Für umgerechnet einen Euro am Tag können die Vorarlberger mit einem Jahresticket das gesamte Bus- und Bahnnetz im Bundesland nützen.Kässpätzle. Das Nationalgericht der Vorarlberger wird mit reichlich Käse, für den die Bauern auch über die Grenzen hinaus bekannt sind, serviert.

L wie Lifestyle

Auf das breite und hochwertige Kulturangebot können auch wesentlich größere Bundesländer neidisch sein. Beim Ausgehen ist es durchaus üblich, dass man an einem Abend gleich in mehreren Städten Station macht.

M wie Mundart

Auf ihren Dialekt sind die Vorarlberger stolz, auch wenn wegen ihrer Sprechweise mitunter über sie gewitzelt wird (siehe X). Auch politische Slogans werden sehr gerne in der Mundart formuliert.

N wie Natur

Die lässt in Vorarlberg nicht nur Touristen das Herz aufgehen. Der Bregenzerwald etwa ist ein landschaftliches Idyll sondergleichen. Im Winter gilt der Arlberg als Tiefschneeparadies.

O wie Oho Vorarlberg

Die Ländle-Kulturgrößen Michael Köhlmeier und Reinhold Bilgeri haben ihrer Heimat 1973 einen bis heute bekannten Song gewidmet: Oho Vorarlberg, bist zwar als Land ein Zwerg, klein ahaber oho, hollardrio.

P wie Piz Buin

An Gipfeln ist Vorarlberg reich. Der Piz Buin ist mit 3312 Metern der höchste.

Q wie Qualität

Kulinarisch wird die Käsekultur hochgehalten und etwa entlang der Käsestraße im Bregenzerwald gepflegt. Die Qualität von Alm- und Bergkäsen ist hervorragend.

R wie Rheintal

Der Raum zwischen Bregenz und Feldkirch ist die am dichtesten besiedelte Region im Bundesland. Hier konzentrieren sich zwei Drittel der Wohnbevölkerung.

S wie See

Der Bodensee ist beliebtes Naherholungsgebiet der Einheimischen. 28 Kilometer Ufer gehören zu Vorarlberg.

T wie Tunnel

Der Arlberg-Tunnel verbindet Vorarlberg mit Tirol. Bereits 1884 wurde ein mehr als zehn Kilometer langer Tunnel durch den Berg eröffnet. Der 14 Kilometer lange Auto-Tunnel wurde 1978 freigegeben.

U wie Universität

Wer ein Universitätsstudium absolvieren will, muss dem Ländle für die Dauer seines Studiums den Rücken kehren. Eine eigene Uni gibt es nicht. Das sorgt insbesondere in Innsbruck und Wien für eine erhöhte Vorarlberger-Dichte. Im Ländle selber dürften die Heimkehrer für die Offenheit der Bevölkerung mitverantwortlich sein.

V wie Verschiebung

Eigentlich hätte Vorarlberg schon am 22. September wählen sollen. Aber die vorgezogenen Nationalratswahlen am 29. September führten zur Verschiebung auf den heutigen Sonntag.

W wie Wald

So nennt man in Vorarlberg den Bregenzerwald (siehe N und Q).

X wie Xiberger

Weil die Vorarlberg nicht „gewesen“ sondern „xi“ bzw. „gsi“ sagen, werden sie auch Xiberger genannt.

Y wie Yachtclub

Bregenz hat einen. Der Bodensee ist das Revier.

Z wie Zivilgesellschaft

In Vorarlberg besonders stark ausgeprägt. Probleme werden pragmatisch gelöst.

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