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Politik Inland
10/12/2019

Bewährungsprobe für Schwarz-Grün

Die Grünen warnen vor einer absoluten Mehrheit der ÖVP. Die Wahlkampfmaschine der Schwarzen läuft bereits voll.

von Christian Willim

Werner Kogler ist wieder in Fahrt. Der Chef der Bundes-Grünen steigt Freitagmittag in Dornbirn mit den Ländle-Grünen in einen Regionalzug ein. Der pendelt bis Mitternacht zwischen Bludenz und Bregenz durch das Vorarlberger Rheintal. In diesem urbanen und verwachsenen Ballungsraum liegen die zehn größten Gemeinden des Bundeslandes. Und die sind die Hochburgen der Ökopartei.

„Ohne Grün wird vieles wieder Schwarz“, warnt Kogler bei einer Pressekonferenz auf der Schiene mit dem grünen Spitzenkandidaten, dem Umweltlandesrat Johannes Rauch, und Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker.

An Bord gibt es Snacks und Getränke für das Wahlvolk, eine Band sorgt für Stimmung. Nationalräte, wie etwa Sigrid Maurer, sind mit Kogler aus Wien angereist und schwärmen zu Verteilaktionen aus. Für die Parlamentarier ist es eine kurze Auszeit rund um den Neustart in den Nationalrat samt möglicher Regierungsverhandlungen.

Die Klima-Karte

„Ich möchte den Wahlkampf an einem Ort beschließen, der mir sehr am Herzen liegt“, sagt Rauch zu der ungewöhnlichen Bahn-Aktion. „Wenn man den Klimawandel ernst nimmt, ist der Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine tragende Säule.“

Der kräftige Zuwachs an Fahrgästen zählt zu den größten Erfolgen Rauchs in der abgelaufenen Regierungsperiode, die eine schwarz-grüne Premiere in Vorarlberg war. Dass er einen Zug für den Wahlkampf nutzt, finden die Mitbewerber aber nicht lustig.

Die ÖVP wirft Rauch vor, die ÖBB getäuscht und den Triebwagen als Landesrat für eine Sprechstunde reserviert zu haben. Der Grüne gibt sich betont gelassen: „Ich habe diesen Zug angemietet und zahle ihn aus meiner privaten Tasche.“ Bei den Kritikern ortet er Nervosität im Wahlkampffinale. Aber auch die Grünen sind nervös. Sie warnen vor einer absoluten Mehrheit der ÖVP. „Das heißt Stillstand“, sagt Rauch.

Die Grünen wollen ihre rund 17 Prozent aus dem Jahr 2014 verteidigen. Die und der Verlust der Absoluten für die ÖVP bei den vergangenen Wahlen waren die Eintrittskarte in die erste schwarz-grüne Landesregierung.

Während die Grünen mit dem Zug durch das Rheintal fahren, eilt VP-Landeshauptmann Markus Wallner mit dem Auto im Bregenzerwald von Termin zu Termin. Zwischenstopp bei einem mittelständischen Betrieb, der im Hoch- und Tiefbau tätig ist:

„Wir kriegen die Leute nicht, die wir brauchen würden“, sagt einer der jungen Firmenchefs. Wallner diskutiert mit ihnen über den Fachkräftemangel, aufwendige Behördenverfahren und andere Unternehmersorgen.

In über 50 Gemeinden war er seit der Nationalratswahl vor zwei Wochen zu Gast. Seine Teams werden bis zum Sonntag 140.000 Haushalte besucht haben. 92 von 96 Gemeinden sind VP-geführt. Und die Funktionäre bringen diese PS im Landtagswahlkampf deutlich stärker auf die Straße, als im Nationalratswahlkampf.

Wallner stapelt tief

Trotzdem will Wallner nichts von der Absoluten wissen: „Es gibt keine Umfrage, die das hergibt. Ich bleibe dabei: 40 Prozent plus sind ein gutes Ergebnis.“ 2014 waren es nach kräftigem Minus 41,8 Prozent.

Braucht die VP wieder einen Koalitionspartner, stehen diese bereits Schlange. „Erster Ansprechpartner sind schon die Grünen“, sagt Wallner. Aber er will sich am Sonntag genau anschauen, wie sich die Balken bei den anderen Parteien bewegen. „Die Neos senden öffentlich Signale, dass sie mit uns regieren möchten“, sagt der Landeshauptmann.

Selbiges gilt auch für die SPÖ. Zugewinne wären jedoch eine echte Überraschung. Und die FPÖ – traditionell in Vorarlberg stark? Die hat Wallner bereits aus dem Spiel genommen.

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