Alle Angehörigen der MilAk erhielten ein signalgraues Barett

© Bundesheer/MilAk

Politik Inland
02/19/2020

Das signalgraue Barett des Anstoßes

Ein Whistleblower prangert in einem internen Papier die Beschaffungspolitik der Militärakademie als Geldverschwendung an.

von Patrick Wammerl

Es fehlt an Diesel, um Panzer und Truppentransporter volltanken zu können. Flügellahme Flugzeuge und Hubschrauber müssen aus Ersatzteilmangel am Boden bleiben. Und die Beschaffung von Munition für Sturmgewehre ist sowieso ein heikles Kapitel.

Dass in Zeiten eines fast bankrotten Heeres ausgerechnet Geld für neue, signalgraue Barette für die Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, die Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) und die neue Sicherheitsschule vorhanden ist, hat in Heereskreisen zuletzt für Gesprächsstoff gesorgt. Nun wirbelt ein internes Papier gehörig Staub auf.

Darin bezeichnet ein anonymer Insider die Beschaffungspolitik der Militärakademie (MilAk) als „Prestigeprojekte die zur Kasernenverschönerung und Selbstbefriedigung eines Kommandanten dienen“. Explizit sind in dem Schreiben Ankäufe von fast 250.000 Euro aufgelistet: 130.000 Euro für die Neugestaltung eines Besprechungsraumes inklusive fünf 80-Zoll-Flatscreens und Küchenzeile; 55.000 Euro für Sessel mit dem MilAk-Logo; 15.000 Euro für Infoscreens; und 7.000 Euro für Teppiche in den Antretehallen.

Zwei Prüfungen

Wie Recherchen ergaben, sind die anonymen Briefe nicht neu. Seit dem Jahr 2018 ergingen zwei ähnliche Dokumente voll mit Vorwürfen gegen die Militärakademie und deren Kommandanten, Generalmajor Karl Pronhagl, an das oberste Beschwerdegremium. Die Parlamentarische Bundesheerkommission wurde beide Male tätig und prüfte die Anschuldigungen. Bis auf ein paar verbesserungswürdige Details in Sachen Beschaffungsabwicklung wurden jedoch keine Verstöße erkannt. Laut dem Ergebnis der Prüfungskommission spiegeln die Vorwürfe „eine offensichtlich persönliche Frustration wider, für deren Ventil der Kommandant der Theresianischen Militärakademie auserkoren wurde.“

Aber sind 130.000 Euro für den Umbau eines Besprechungsraumes gerechtfertigt? Dieser Frage ist der KURIER in der ältesten Militärakademie der Welt auf den Grund gegangen. „Wir sind eine alte Burg und hinken als Akademie in Sachen Ausstattung im internationalen Vergleich leider weit hinterher“, nimmt Pronhagl zu den Vorwürfen, er würde bei den Anschaffungen mit Geld um sich schmeißen und sich persönlich bereichern, Stellung. Als Fachhochschule für „Militärische Führung“ stehe man im Wettstreit mit den modernsten Bildungseinrichtungen des Landes.

„Digital ausgestattete Lehrsäle und moderne Sportstätten sind wohl das mindeste, was wir unseren Studierenden anbieten müssen“, sagt Pronhagl. Um eine zeitgemäße und ansprechende Institution zu sein, habe man in den vergangenen Jahren viele Investitionen tätigen müssen. Vor allem auch deshalb, weil man im Zuge der Ausbildungsoffensive statt 25 Offiziersanwärter plötzlich mehr als 100 pro Jahrgang aufnimmt – darunter auch ausländische Kadetten aus Bosnien sowie in Zukunft aus Nordmazedonien und Montenegro.

Um entsprechenden Platz zu schaffen, mussten 100 Räume saniert und adaptiert werden. „Das verschlingt natürlich Geld. Die Beschaffungsvorgaben verlangen für fast jeden Ankauf über 400 Euro die Einholung von Kostenvoranschlägen. Monatlich ist ein Bericht an die Budgetabteilung zu leisten. Sie können mir glauben, wir werden laufend und umfassend kontrolliert“, erklärt der Kommandant. Es gäbe keinen Spielraum für persönliche Befindlichkeiten, sagt Pronhagl.

Fahnenmasten

Eines stoße dem MilAk-Kommando besonders sauer auf: In dem internen Papier wird die Errichtung von fünf Fahnenmasten im Burghof für angebliche 15.000 Euro als absolute Geldverschwendung angeprangert. Laut Unterlagen beliefen sich die Kosten jedoch auf 4.000 Euro. „Und das nur, weil die Pioniere die Masten eingebaut und ein Soldat die Pflastersteine mit seinen eigenen Händen verlegt hat“, so Pronhagl.

Verteidigt wird an der Akademie auch die "längst fällige" Modernisierung der Kraftkammer. Insgesamt 600 Heeresangehörige können den Fitnessbereich in der Kaserne nutzen.