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Porträt
08/08/2020

Claudia Plakolm: Kurz’ Nachfolgerin zwischen "Musi" und Hohem Haus

Claudia Plakolm folgt Kurz an der Spitze der Jungen ÖVP nach. Die 25-Jährige will das passive Wahlalter auf 16 Jahre senken.

von Elisabeth Hofer

Claudia Plakolm lacht und schüttelt den Kopf. Gerade wurde sie gefragt, ob sie die nächste Bundeskanzlerin Österreichs werden möchte. Sie plane gar nicht so weit, antwortet die jüngste weibliche Nationalratsabgeordnete der ÖVP. Jetzt wolle die 25-Jährige sich erst einmal darauf konzentrieren, ab dem Herbst als neue Bundesobfrau der Jungen Volkspartei (JVP) zu fungieren.

Insofern liegt der Vergleich mit dem amtierenden Bundeskanzler, Sebastian Kurz (ÖVP), nahe. Auch er stand der Jugendorganisation seiner Partei von 2009 bis 2017 als Bundesobmann vor.

Die JVP als Kaderschmiede für zukünftige Spitzenpolitiker? So möchte Plakolm das nicht sagen. Allerdings: „Die ÖVP hat mit der JVP die einzig ernst zu nehmende Jugendorganisation. Bei uns ist es nicht so wie in anderen Parteien, bei denen die Jugendorganisation ein bisschen die Ersatzbank ist, bis man dann einmal ins Spielfeld wechseln darf, wenn jemand von den Älteren ausscheidet“.

Als Plakolm im November 2017 mit 22 Jahren als jüngste Abgeordnete in den Nationalrat einzog, war die Politik kein unbekanntes Gebiet für sie. Ihr Vater ist Bürgermeister der Mühlviertler Gemeinde Walding, Plakolm war am Gymnasium in Linz Schulsprecherin, später Landesobfrau der JVP Oberösterreich. Aus ihrer Herkunft macht sie keinen Hehl – zu ihrer Angelobung im Nationalrat erschien sie im Dirndl. Ihre Reden im Plenum hält sie im Mühlviertler Dialekt. Neben der politischen Arbeit und zahlreichen freiwilligen Engagements wie bei der „Musi“ (Blasmusikkapelle ihrer Heimatgemeinde) ist Plakolm derzeit dabei, ihr Wirtschaftspädagogik-Studium an der Universität Linz abzuschließen.

Bürgermeister mit 16?

In diesem Sommer muss die Diplomarbeit jedoch noch warten. „Ich werde im Sommer alle Bundesländer besuchen und den größten Programmprozess, den es bisher in der JVP gegeben hat, anstoßen. Mir geht es darum, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen, um die notwendigen Schlüsse aus der Corona-Krise zu ziehen“, erklärt Plakolm.

Ein Punkt, der ihr dabei besonders wichtig ist: Obwohl Wählen mit 16 bereits möglich ist, gibt es noch kein passives Wahlrecht ab diesem Alter. Hier wünscht sie sich eine Änderung. Zumindest auf kommunaler Ebene sollte man ab 16 auch wählbar sein. „Wir haben viele junge Gemeinderäte, und es würde junge Menschen motivieren, politisch tätig zu werden, wenn man ab 16 auch wählbar wäre“, erklärt sie.

Davon abgesehen, hält Plakolm, die regelmäßig zwischen Wien und Oberösterreich pendelt, wenig davon, zwischen herkömmlichen politischen Themen und Themen für Junge zu unterscheiden. „Ich glaube, es braucht in allen politischen Entscheidungen alle Generationen, die an einem Strang ziehen“, sagt sie. Oft seien es gerade die älteren Kollegen, die sagen „geht ihr voran, was sind eure Meinungen dazu, weil euch wird das schlussendlich betreffen“. Insofern sei „jede Entscheidung, die im Parlament gefällt wird, Jugendpolitik, egal ob es die Steuerreform ist, oder es um Digitalisierung geht“.

Wer zahlt Schulden?

Ob es ihr dennoch Sorgen bereite, dass in Folge der Corona-Krise ein Schuldenrucksack entstehen könnte, den gerade die jüngere Generation mittragen wird? „Früher oder später müssen die Schulden zurückgezahlt werden, das ist klar“, sagt Plakolm. „Wir haben die größte Arbeitslosigkeit in der Geschichte der 2. Republik, und auch viele junge Menschen haben Job oder Lehrstelle verloren. Da müssen wir rasch handeln und in die Zukunft investieren“.

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