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Politik Inland
08/31/2020

Bildungsoffensive: Blümel will Alternativen zum Sparbuch aufzeigen

Da nicht einmal die Hälfte aller Österreicher das Wort "Zinsen" richtig zuordnen kann, bläst Blümel zur Finanz-Bildungsoffensive.

von Johannes Arends

Wissen Sie, ohne nachzulesen, was ein Fonds ist? Eine Anleihe? Wenn Sie mindestens eine dieser Fragen mit Nein beantworten müssen, brauchen Sie sich nicht schämen – es geht Ihnen dann genauso wie der Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher.

Laut einer Studie der Wiener Börse wissen nämlich 91 Prozent hierzulande nicht, was Anleihen sind, 48 Prozent können den Begriff „Zinsen“ nicht richtig zuordnen. Das fehlende Wirtschafts- und Finanzwissen der Österreicherinnen und Österreicher macht sich auch im Umgang mit dem eigenen Geld bemerkbar: So liegen etwa 40 Prozent des privaten Vermögens auf Sparbüchern, wo es aufgrund des Zusammenspiels von Inflation und dem aktuell niedrigen Zinsniveau jährlich an Wert verliert.

Als Finanzminister Gernot Blümel diese Zahl vor Kollegen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte, habe sie für Erheiterung bis hin zu Gelächter gesorgt. In kaum einem anderen Land sei das Sparen derart ausgeprägt. „Das Sparbuch gilt in Österreich eben nach wie vor als sichere Anlageform, das ist traditionell so gewachsen“, sagt Blümel. „In Zeiten von niedrigen Zinsen wird das aber mittel- bis langfristig zu Problemen führen, denn diese Niedrigzinsen werden uns durch die Corona-Krise erhalten bleiben.“

Deshalb sei eine breite Finanz-Bildungsoffensive notwendig, eine solche ist bereits im Regierungsprogramm verankert. Am Montag gab es den Auftakt, Blümel lud mehrere Expertinnen und Experten zu einem „Round Table“ in das Finanzministerium.

Früh, praxisnah, neutral

Die anwesenden Vertreter von Universitäten, Schulen und Thinktanks waren sich einig: Wirtschaftliche Bildung müsse auch anhand von praktischen Beispielen vermittelt werden – und zwar so früh wie möglich. Diverse Projekte in diese Richtung hätten schon bei Unterstufenschülern große Erfolge gezeigt, meinte zum Beispiel Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Wiener WU. Bundesschulsprecherin Jenny Uzodike wies darauf hin, dass fehlendes Finanzwissen vor allem Lehrlinge oft teuer zu stehen komme. So seien 71 Prozent aller verschuldeten Jugendlichen Lehrlinge.

Bis 2021 soll es weitere solcher Treffen im Zuge einer ersten „Einschätzungsphase“ geben – danach sollen, auch in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, in einer zweiten Phase Taten folgen. Dabei geht es aber nicht nur um Lehrpläne für Schulen und Universitäten – auch nebenberufliche Fortbildungsmöglichkeiten sollen gefördert werden, damit auch wirklich alle Teile der Gesellschaft abgeholt werden.

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