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Politik Inland
04/01/2019

Ausgebremst: Der ewige Kampf um Platz auf der Straße

Radfahrer haben ab sofort mehr Rechte. Laut KURIER-Umfrage werden die Radler für die größten Rowdys gehalten.

von Birgit Seiser

Radfahrer brauchen immer die ganze Straße. Autolenker sind rücksichtlose Rowdys. Und die E-Roller-Piloten fahren ständig Fußgänger über den Haufen. Soweit das Klischee. Neues Konfliktpotenzial wurde gestern, Montag, geschaffen: Denn mit 1. April dürfen sich die Radfahrer über mehr Rechte freuen.

Ab sofort haben Radler beispielsweise Vorrang, wenn sie auf einem Radweg unterwegs sind, der parallel zu einer Straße verläuft. Und sie sind mit Autofahrern gleichberechtigt, wenn ein Fahrradstreifen endet – dann gilt nämlich das Reißverschlusssystem.

Naturgemäß ist die Radlobby mit den neuen Regelungen zufrieden, Vertreter des Mobilitätsclubs ÖAMTC sehen die Neuerungen eher kritisch. Ob dieser Punkt in der 30. Novelle der Straßenverkehrsordnung in Sachen Sicherheit sinnvoll ist, ist fraglich, wie ÖAMTC-Experte Nikolaus Authried sagt: „In 50er Zonen müssten Autofahrer dann hinter den langsameren Radlern herfahren. Das kann zu Gefahrensituationen führen.“

Politik schafft Konflikte

Fest steht jedenfalls, dass viele Verkehrsteilnehmer – egal auf wie vielen Rädern sie unterwegs sind – mit der derzeitigen Situation auf den Straßen nicht zufrieden sind. Laut einer Studie des ÖAMTC wollen acht von zehn Wienern, dass alle Verkehrsarten bei der Planung berücksichtigt werden. 60 Prozent der Hauptstädter sind der Ansicht, dass die aktuelle Verkehrspolitik mehr Konflikte verursacht, als sie löst.

Erst am Samstag kam es in Wien zu einem schweren Unfall an einem neuralgischen Punkt. Eine 20-jährige Radfahrerin war auf dem Ring-Radweg unterwegs, als eine Fußgängerin den Streifen überqueren wollte. Die Radlerin rammte die 63-Jährige und stieß sie zu Boden. Dabei zog sich die Fußgängerin schwere Verletzungen am Kopf zu.

Das Problem: Auf dem Ring kreuzen sich der Fahrradweg und der Gehsteig mehrere Male. Einige Abschnitte sind für beide Verkehrsteilnehmer vorgesehen. Vor allem Touristen sind oft planlos und spazieren auf der Radspur.

Die konfliktanfällige Strecke rund um den Ring ist für die Radlobby einer der wichtigsten Punkte, bei dem nachgebessert werden muss. „Es sollten dort getrennte Wege für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden. Der innere Bereich soll den Fußgängern zur Verfügung stehen, Radfahrer sollten die Nebenfahrbahn exklusiv nutzen können“, sagt der Sprecher der Radlobby, Roland Romano.

Geringes Rad-Budget

Dazu wären Umbauten nötig, die mit dem bestehenden Budget aber nicht realisiert werden könnten. In Österreich werden jährlich pro Kopf vier bis zehn Euro in die Rad-Infrastruktur investiert. In bekannten Radler-Metropolen wie Amsterdam oder Kopenhagen sind es um die 30 Euro. Ein weiteres Problem ist die unterschiedlich hohe Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer. Daher wünscht sich die Radlobby Tempo 30 in allen städtischen Gebieten und ein Limit von 80 km/h auf Freilandstraßen, wenn Pkw oder Lkw Radler überholen.

Was das Überholen betrifft, wird außerdem ein gesetzlicher Mindestabstand von 1,5 Metern beim Manöver gefordert. Bisher musste der Autofahrer Geschwindigkeit und Abstand beim Überholen nur „anpassen“.

Gemeinsame Lösungen

Obwohl sich die großen Verkehrsclubs hinter die Autofahrer stellen, betont ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried, dass eine gute Infrastruktur für Radfahrer allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt. „Man muss gemeinsam Lösungen finden.“ Der Mobilitätsclub fordert mehr direkte Demokratie in Form von Befragungen, wenn die Verkehrsführung geändert werden sollen.

Auch der KURIER hat im Zuge der Gesetzesnovelle eine Online-Umfrage durchgeführt – mit einem eher erwartbaren Ergebnis.

Radler-Rowdys

Auf die Frage, wer die rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmer sind, waren sich die mehr als 2000 Teilnehmer mehrheitlich einig: 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Radfahrer am wenigsten Skrupel im Straßenverkehr haben. Mit großem Abstand folgen mit 20 Prozent auf Platz zwei die Autolenker. Knapp zehn Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten Lkw-Fahrer für rücksichtslos. Motorradfahrer haben einen guten Ruf und werden nur von rund sechs Prozent der Leser als unangenehm empfunden.

Am achtsamsten sind wohl wir alle – denn nur fünf Prozent der Befragten halten Fußgänger für Rowdys.

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