ÖVP-Chef Sebastian Kurz (ÖVP) und Generalsekretär Karl Nehammer (ÖVP) am Montag, 17. Juni 2019, anl. der PK "Fälschungsskandal

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Politik Inland
10/04/2019

Die Hintergründe zu den gefälschten ÖVP-Ibiza-Mails

Gert Schmidt, Betreiber der Homepage eu-infothek, erklärt, wie der mutmaßliche Fälscher bei ihm anheuerte.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber, Birgit Seiser

Es waren schwere Anschuldigungen, mit denen Sebastian Kurz und Gernot Blümel im Wahlkampf konfrontiert wurden: Sie sollen schon seit längerer Zeit vom Ibiza-Video gewusst haben. Angebliche eMails zwischen beiden ÖVP-Politikern sollten das belegen.

Veröffentlicht wurde das belastende Material von Gert Schmidt, Betreiber der Homepage eu-infothek und selbst ernannter Ibiza-Aufdecker. Der 74-jährige Unternehmer betreibt auch die Anti-Spielsucht-Plattform spieler-info.at. Dem KURIER schildert Schmidt die Situation so: Er habe im Juni ein erstes Mail von L. erhalten, das scheinbar von Blümel stammte. Bei diesem Mail waren der Name des Absenders und dessen Telefonnummer angeführt. In der Folge hatte Schmidt L. in OÖ getroffen. Dabei dürfte er dem „Informanten“ auf den Leim gegangen sein.

Verschwörungstheorien

Schmidt konfrontierte die ÖVP mit den Mails. Die ÖVP-Pressestelle habe ihm mitgeteilt, dass es sich dabei um gefälschte Mails handle. Auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz enttarnte Kurz die zwei Mails als Fake. „Wir haben nie gesagt, dass diese Mails echt sind“, rechtfertigt sich Schmidt. „Wir haben die Mails Fachleuten gegeben, und auch die konnten uns nicht sagen, ob sie echt oder gefälscht sind.“ Schmidt hatte mehrere Berichte mit Verschwörungstheorien rund um Ibiza mit diesen Schreiben untermauert. Die Mails sollen aus der Werkstatt des Oberösterreichers L. stammen. „Wir wussten nicht, dass er pathologisch spielsüchtig und somit krank ist. Das wissen wir erst seit drei, vier Tagen“, sagt Schmidt zum KURIER.

Angestelltenvertrag mit 3.000 Euro

L. soll ihm versichert haben, dass er künftig einen ordentlichen Beruf ausüben wolle. „Er führte mir seine IT-Kenntnisse vor und konnte eMail-Accounts fälschen. Ich wollte das gar nicht sehen.“

Der Unternehmer will L. daraufhin einen Angestelltenvertrag bei spieler-info.at angeboten haben. Er sollte bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels mithelfen. „Herr L. war ganz begeistert, wir haben ihm einen üblichen Vertrag mit einer Probezeit vorgelegt und dieser wurde auch von Herrn L. unterschrieben“, sagt der Plattformbetreiber. „Herr L. wollte aber für seine Übersiedlung von Oberösterreich nach Wien eine Vorleistung in Höhe eines Monatsgehalts.“ Daraufhin habe er rund 3.000 Euro erhalten.

Herr L. soll dann an einem Montag ins Wiener Büro von Schmidt gekommen sein. „Dann nahm er den Laptop und ward nicht mehr gesehen“, behauptet Schmidt. Von der Polizei will Schmidt später bei einer Einvernahme erfahren haben, dass Herr L. angeblich mehrfach wegen Betrugs verurteilt ist.

 

Gudenus und Strache

Schmidt, dem eine Nähe zu ehemaligen FPÖ-Granden nachgesagt wird, dementiert eine FPÖ-Connection im Fake-Mails-Skandal. Nach Platzen der Ibiza-Affäre hatte er Johann Gudenus und HC Strache mit zahlreichen dubiosen Berichten auf seiner Internet-Plattform eu-infothek massiv verteidigt. Mit der FPÖ habe das ÖVP-Fake-Mail-Debakel aber nichts zu tun, versichert er, auch nicht mit Gudenus und Strache. Schmidt: „Ich lasse mir von niemanden etwas sagen, weder von Herrn Gudenus noch von Herrn Strache.“