Heinz-Christian Strache 2008

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Fundstück des Tages
12/09/2016

Als Strache Van der Bellen auf eine Insel mitnehmen wollte

Ein FPÖ-Politiker will einen Grünen mit auf eine einsame Insel nehmen? Ein Video aus dem Jahr 2008 geht derzeit viral.

von Jürgen Klatzer

Jörg Haider, Heinz-Christian Strache, Alexander Van der Bellen und Wilhelm Molterer - wir schreiben das Jahr 2008, es ist Wahlkampfzeit. Die vier Spitzenkandidaten von BZÖ, FPÖ, Grüne und ÖVP müssen sich in einer ATV-Wahldiskussion den Fragen von Erstwählern stellen. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, alle warten auf die Anworten der Diskutanten.

Wahlkonfrontationen im Fernsehen sind nicht ungewöhnlich (mehr dazu hier). Auch vor den einzelnen Durchgängen der Bundespräsidentschaftswahl 2016 (Wahl, Stichwahl, Wiederholung der Stichwahl, Anm.) gab es sie zuhauf. Doch der Ausschnitt aus dem Jahr 2008, der derzeit in den sozialen Netzwerken viral geht, überrascht - weil... Sehen Sie selbst:

Strache möchte Van der Bellen mitnehmen

Auf die Frage, welchen anderen Spitzenkandidaten FPÖ-Bundesobmann Heinz-Christian Strache auf eine einsame Insel mitnehmen würde - allein darf er nicht -, antwortet dieser: "Ich würde den Herrn Van der Bellen mitnehmen, auch, wenn es ihn jetzt nicht freut. Aber ich sage Ihnen warum: Er hat eine Gesinnung, die ist nicht die meinige, aber er ist ein grundehrlicher Mensch, der seine Gesinnung lebt und zu seiner Gesinnung auch steht. Auch, wenn wir oft mal streiten, aber man kann mit ihm auch trefflich und gut streiten... abseits der Kameras, mit einem hohen Niveau, sage ich. Und ich glaube, dass er, was das Menschliche betrifft, der Sympathischste auf der Insel wäre."

Überraschenderweise würde auch der damalige Bundesspecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, Strache mitnehmen, allerdings mit einer etwas "boshafteren" Begründung, wie er sagt: "Weil dann können Sie hier nicht so viel Unfug anrichten."

Gesprächsklima hat sich geändert

Acht Jahre sind seit dieser Frage vergangen, die Antworten wirken aber wie aus einem anderen Jahrhundert. Das Gesprächsklima in der Politik, in den Medien und in der Öffentlichkeit hat sich verändert. In seiner Rede als designierter Bundespräsident machte Alexander Van der Bellen genau das auch zum Thema. Man müsse über die Gesprächskultur in der Politik nachdenken(mehr dazu hier), sagte er kurz nach der Hofburg-Wahl.

"Ich werde versuchen, dem Thema, wie wir mit Worten umgehen, einen großen Platz in meiner Präsidentschaft einzuräumen", erklärte Van der Bellen. Aber auch Medien müssten sich in die Pflicht nehmen - wie auch jene, "die sich öffentlich äußern". Sie seien für die Gesprächskultur im Land verantwortlich.

Der Wahlkampf zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen wurde von vielen Beobachtern als "grauslich" bezeichnet. Dazu beigetragen hätten aber auch zahlreiche User in den Sozialen Medien.

Einiges hat sich geändert, wenig blieb gleich

Freilich hat sich seit der Nationalratswahl 2008 einiges verändert; kein Stein blieb mehr auf den anderen. Was aber bis heute gleich geblieben ist: Strache ist noch immer FPÖ-Obmann und auch 2008 mussten SPÖ (Minus sechs Prozent) und ÖVP (Minus acht Prozent) Stimmenverluste hinnehmen.