Politik | Inland
09.08.2016

Alexander der Dritte: Wrabetz wurde wiedergewählt

Mit knapper Mehrheit schaffte es der Generaldirektor, sich gegen seinen Herausforderer Richard Grasl durchzusetzen. Die FPÖ droht unterdessen mit einer ORF-Reform.

Es war eigentlich alles klar, aber noch nicht alles gesagt. Schon bevor die Stiftungsratssitzung zur Wahl des ORF-Generaldirektors am Dienstagvormittag losging, stand der Sieger fest: Alexander Wrabetz würde den Thron ein drittes Mal erklimmen. Dennoch wurden beide Kandidaten in einem ausführlichen Hearing jeweils zweieinhalb Stunden gegrillt.

Als Erster war der spätere Wahlverlierer dran: Der bisherige Finanzdirektor stand in einer ausführlichen Fragerunde Rede und Antwort. Im Anschluss stand Wrabetz im Ring. Gute 100 Fragen später waren beide Konzepte genügend durchgekaut, um zur Wahl schreiten zu können. Und die fiel knapper aus als erwartet. Wrabetz schaffte genau die 18 notwendigen Stimmen für die Wahl. Neben den 13 Vertretern des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat erhielt der ORF-Chef auch die Stimmen der zwei unabhängigen links stehenden Betriebsräte Christiana Jankovics und Gerhard Moser, die des Kärntner Stiftungsrats Siggi Neuschitzer, des Grünen Wilfried Embacher sowie von Neos-Stiftungsrat Hans Peter Haselsteiner.

Gratulation von Grasl

Wrabetz’ Herausforderer Richard Grasl kam auf 15 Stimmen und wurde von 13 Vertretern des ÖVP-"Freundeskreises" gewählt. Zusätzlich wählten FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger und Team-Stronach-Vertreter Günter Leitold den Finanzdirektor. An ihm war es, den Sieg seines Gegenübers zu verkünden: Grasl gratulierte Wrabetz "recht herzlich" und sprach von einem Foto-Finish. Er habe ein Konzept mit "vielen guten Ideen" vorgelegt, insofern hoffe er, dass einige Ideen daraus umgesetzt werden.

Auf zwei Stimmen mussten übrigens beide verzichten: Die unabhängigen Räte Franz Küberl und Gudrun Stindl enthielten sich der Stimme.

Wrabetz und Hoscher baten später zu einer Pressekonferenz, wo beide die Sachlichkeit der Debatte lobten. Das streng nach Parteilinien ausgeübte Wahlverhalten (rot wählte Wrabetz, schwarz Grasl) wollten sie nicht als Zeichen einer überaus parteipolitischen Wahl deuten. Wrabetz sieht die Wahl überhaupt als Beweis der politischen Unabhängigkeit des ORF: "Bei uns hat nicht die Regierung den Generaldirektor bestellt", sagt er. Und man wusste nicht, ob das jetzt ironisch oder zynisch gemeint war. Hoscher betonte noch, die Konzepte hätten den Ausschlag für das unterschiedliche Wahlverhalten gegeben.

Der frischgebackene Generaldirektor hat jedenfalls keine Angst vor politischen Gräben im obersten ORF-Gremium. Man werde "ganz normal relativ gut wieder zusammenarbeiten." Und: "Wenn ich was kann, ist es, Mehrheiten zu finden."

Die wird er auch brauchen: Spätestens bei einem Antrag auf Gebührenerhöhung muss die ÖVP-Fraktion wieder mitspielen. Das wird im Herbst sein.

Schreckgespenst

Aufhorchen ließ FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger. Der Freiheitliche erklärte noch vor der Wahl, dass er ohnehin damit rechne, dass es im kommenden Jahr zu einem Regierungswechsel mit freiheitlicher Beteiligung komme. "Das ist eine Abstimmung für ein Jahr, ab 1. Jänner, dann gibt’s Neuwahlen. Die Freiheitliche Partei hat mich bereits beauftragt, ein neues ORF-Gesetz zu machen, denn ohne Reformen wird’s nicht gehen", stellte Steger einen Machtwechsel im ORF für 2018 in Aussicht.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wetterte sodann über eine "rot-grün-rosa Postenpackelei".

Wrabetz hat mit der dritten Amtsperiode in Folge zwar einen absoluten ORF-Rekord gebrochen, gleichzeitig aber sein schlechtestes Ergebnis eingefahren: 2006 wählten ihn 21 Räte, 2011 sogar 28.