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Politik Inland
11/25/2020

Aufregung um Abtreibungsstatistik: Wer dafür und wer dagegen ist

Ist eine Statistik, die die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch festhält, ein Mittel, um Frauen zu helfen, oder um sie in ihren Rechten zu beschneiden?

von Elisabeth Hofer, Raffaela Lindorfer

Wie viele Gründe gibt es für einen Schwangerschaftsabbruch? „Unzählige verschiedene“, sagt Martina Kronthaler von der „Aktion Leben“, die sich mit der Petition „Fakten helfen“ für eine bundesweite anonymisierte Statistik über Schwangerschaftsabbrüche und die Gründe dafür einsetzt.

„Genau zwei“, behauptet hingegen Henrike Brandstötter, Frauensprecherin der Neos: „Entweder es gibt medizinische Gründe oder die Frau will das Kind nicht“. Mehr müsse der Staat nicht wissen, insofern sei auch eine Abtreibungsstatistik unnötig.

Die beiden Positionen zeigen: Wie immer, wenn es um das Thema Schwangerschaftsabbruch geht, gehen die Meinungen weit auseinander. Während die ÖVP die Petition zur Etablierung einer Abtreibungsstatistik unterstützt (der KURIER berichtete), stemmen sich SPÖ, Neos, aber auch der grüne Koalitionspartner im Bund dagegen.

Hilfe oder Kontrolle?

Laut Frauenministerin Susanne Raab und Familienministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) könne auf Basis der von den Ärzten anonym erhobenen und weitergeleiteten Daten den Frauen besser geholfen und geeignete Präventionskonzepte erarbeitet werden. Ein Beispiel gibt die ÖVP-Abgeordnete Ingrid Korosec: „Wenn sich zeigt, dass vor allem sehr junge Frauen abtreiben, weil ihnen das Geld fehlt, dann muss man sich politisch überlegen, ob junge Menschen nicht generell mehr verdienen sollten.“

Gabriele Heinisch-Hosek, Frauensprecherin der SPÖ, entgegnet dem, man müsse Frauen nicht nach ihren Motiven fragen, um zu helfen. Außerdem seien Hilfe und Beratung während der Schwangerschaft nur eine „halbe Geschichte“. Nach der Geburt wären Frauen oft auf sich alleine gestellt. Und: „Solange es nicht in allen öffentlichen Krankenhäusern die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch gibt, braucht man nicht nach einer Statistik schreien. Andernfalls hätte man sie nämlich längst“, sagt Heinisch-Hosek. Vor allem in West-Österreich gebe es diesbezüglich große Lücken. Allerdings: Auch im SPÖ-geführten Burgenland führt kein einziges Spital Abtreibungen durch.

Für Grüne kein Thema

Dass sich die ÖVP-Ministerinnen die Anliegen der Bürgerinitiative befürworten, empört die Grünen – überrascht sie aber nicht. Die Abtreibungsstatistik findet sich nicht im Koalitionspakt, war aber bei den Koalitionsverhandlungen Thema. „Das war eine sehr, sehr kurze Episode. Wir Grüne haben gleich klargemacht, dass für uns die reproduktive Selbstbestimmung in keiner Weise verhandelbar ist“, sagt Meri Disoski, grüne Sprecherin für Frauen und Gleichberechtigung. Es gebe bereits Studien zu Schwangerschaftsabbrüchen – und zwar von unabhängigen Stellen. Die Motive seien also bekannt, eine staatliche Erhebung sei damit weder notwendig noch hilfreich, betont sie. Worüber man sprechen sollte, sei eine zeitgemäße Prävention: Grüne Position sei, dass es gendergerechte Sexualpädagogik, kostenlose Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche auf Krankenschein brauche. Allerdings findet man auch diese Maßnahmen nicht im türkis-grünen Koalitionspakt.

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