Wecht: "Halte Niessl nicht für bestechlich"

Hans Niessl
Foto: KURIER Gruber Franz Der frühere Swarco-Manager Andreas Wecht will dem burgenländischen Landeshauptmann Niessl nichts Kriminelles vorwerfen.

Der frühere Swarco-Manager Andreas Wecht will dem Landeshauptmann nichts Kriminelles vorwerfen.

In der Affäre um eine behauptete Geldleistung an Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (mehr dazu...) will der frühere Swarco-Manager Andreas Wecht Niessl nichts Kriminelles vorwerfen, hat er am Samstag betont: "Ich halte den Landeshauptmann nicht für bestechlich, ich gebe für ihn eine Ehrenerklärung ab", sagte er gegenüber dem ORF Burgenland.

Wecht bleibt allerdings weiter dabei, dass es in der Swarco-Firmenzentrale in Wattens eine Geldübergabe gegeben haben soll. Niessl sei dabei gewesen: "Ich glaube nicht, dass das mit Korruption zu tun hat, vielleicht wurde da eine Spende vergessen", so Wecht gegenüber dem ORF. Dass es eine "korruptive" Sache sei, habe er nie behauptet. Er habe die Angelegenheit auch "nicht ins Laufen gebracht. Wer es angestoßen hat, weiß ich nicht." Bei dem Rechtsstreit mit seinem früheren Arbeitgeber Swarco gehe es um einen "Bagatellbetrag", um einen Dienstwagen.

"Lügengeschichte von profil"

Nachdem Wecht in einem Interview seine Identität preisgegeben hatte, kündigte Niessl am Samstag weitere Schritte an: "Die gezinkten Karten liegen auf dem Tisch. Wir werden die Sachverhaltsdarstellung unverzüglich auf den Tiroler FPÖ-Funktionär (Wecht, Anm.) ausweiten", so Niessl in einer Aussendung. "Ab heute steht fest, dass das Nachrichtenmagazin profil einer Lügengeschichte und Racheaktion eines FPÖ-Funktionärs aufgesessen ist", erklärten SPÖ-Klubobmann Christian Illedits und Landesgeschäftsführer Robert Hergovich. Statt die bisherigen Fragezeichen aufzuklären, habe sich der vermeintliche Zeuge noch tiefer in Widersprüche verstrickt. Von der behaupteten Übergabe gebe es mittlerweile die dritte Version.

Wecht

Niessl-Kuvert-Affäre: Zeuge geht in die Offensive

Ex-Banker Andreas Wecht bleibt dabei: SP-Landeshauptmann Hans Niessl hat 10.000 Euro genommen.

SPÖ-PRÄSIDIUMSSITZUNG IM PARLAMENT: NIESSL
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Eigentlich wollte er das nicht. Eigentlich wollte Andreas Wecht nur vor einem Richter aussagen. Den eigenen Name in der Zeitung? Nein, daran hatte er kein Interesse. Doch nachdem in den vergangenen Tagen Bösartiges über den Ex-Banker herumerzählt wurde, sah sich der 52-Jährige gezwungen, in die Offensive zu gehen. "Ich lasse mich nicht mit Dreck bewerfen", sagt er in einem Interview mit dem am Wochenende erscheinenden Nachrichtenmagazin profil.

Darin wiederholt Wecht unter vollem Namen nicht nur seine Vorwürfe, sondern nimmt auch zu allfälligen Unschärfen an seiner Geschichte Stellung.

Laut Wecht war Landeshauptmann Hans Niessl vor der Landtagswahl 2010 – also irgendwann zwischen Oktober und Mai – in Tirol, um von Unternehmer Manfred Swarovski (Swarco) ein Kuvert mit 10.000 Euro Bargeld zu übernehmen. Er, Wecht, habe das Geld von einem Konto in Wattens behoben und zum Termin mitgebracht. Wecht hielt das Geld für eine Parteispende an den wahlkämpfenden Landeshauptmann.

"Das ist Rufmord auf Raten"

profil hat das von Wecht kolportierte Treffen bereits am vergangenen Wochenende thematisiert, doch Swarovski und Niessl bestreiten die bislang anonym vorgebrachten Behauptungen vehement: Der Landeshauptmann sei im erwähnten Zeitraum überhaupt nie bei Swarovski gewesen; schon gar nicht habe er irgendein Geld genommen. "Das ist Rufmord auf Raten", sagte Niessl zum KURIER – und brachte Klage ein.

Wecht bleibt dabei und schildert detailliert, was an jenem Tag passiert sein soll. Niessl sei in Wattens gewesen, man habe ihm den Konzern vorgestellt – in einem "Präsentationsraum mit Videowall. Wir waren vier Leute." Auch der Vierte im Bunde, der Marketingchef, bezeichnet Wechts Version als "haltlos" – es steht also drei gegen einen.

Bleibt die Frage: Was könnte das Motiv sein? Warum sollte sich Andreas Wecht mit schwer beweisbaren Behauptungen so exponieren?

Der Ex-Manager verhehlt zwar nicht, im Unfrieden aus dem Konzern geschieden zu sein ("Wir haben nicht so gut harmoniert"); aber Rache-Gelüste hege er keine. "Warum sollte ich? Was hilft mir das?", sagt er zu profil. Und zumindest damit hat er sicher recht. Er hat nichts davon – bis auf die Tatsache, dass er sich einen Landeshauptmann und einen Großunternehmer zu Feinden machte.

(apa / js) Erstellt am
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