Politik
09.12.2011

Hungrige Eisbären fressen ihre Jungen

Der Klimawandel hat für Meeressäuger fatale Folgen: Lebensraum und Nahrung werden immer knapper.

Es ist ein grausamer Tod: Das zwei Jahre alte Eisbärjunge wird von seinem eigenen Vater zerfleischt und aufgefressen. Die Mutter sitzt ein paar Eisschollen weiter und schaut tatenlos zu.

Dass Raubtiere ihren Nachwuchs fressen, ist in der Natur zwar nicht außergewöhnlich. „Männchen töten den Nachwuchs ihrer Konkurrenten. Weibchen füttern das schwächere Baby dem stärkeren, wenn das Nahrungsangebot knapp ist“, erläutert Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace. Doch dass Eisbären auf einer Eisscholle Junge fressen, sei außergewöhnlich. Dort hätten sie normalerweise genug Futter.

Das Problem: „Den Meeressäugern schmilzt wegen der Klimaerwärmung gerade der Lebensraum unter dem Hintern weg“, sagt Helms. Deshalb komme es in letzter Zeit häufiger zu Fällen von Kannibalismus unter Bären. „Der ,Kühlschrank der Erde’ erwärmt sich schneller als der Rest. Mit der Folge, dass das Eis in der Arktis immer dünner wird oder ganz verschwindet. Das zeigen Studien der NASA eindeutig.“

 

Durban

Und es scheint, dass die UN-Klimakonferenz, die derzeit im südafrikanischen Durban tagt, daran nichts ändern wird. EU-Klimakommssarin Connie Hedegaard meint, „dass Erfolg und Scheiten an einer Handvoll Staaten“ liege. Blockierer seien neben den USA vor allem China, Indien und Brasilien .

Wird der Klimawandel nicht eingebremst, bedeutet das für die Eisbären, dass zwei Drittel der Population bis zum Jahr 2050 ausgestorben sein könnte. Ende des Jahrhunderts wird es wohl kein Exemplar mehr in der freien Natur geben.

Schwimmen

Das Überleben wird für Eisbären jedenfalls immer schwieriger: „Weil das Packeis schmilzt, müssen sie längere Distanzen im Wasser zurücklegen als früher. Das Schwimmen ist sehr kräfteraubend, so dass die Tiere immer häufiger ertrinken“, sagt Helms. „Auch die Robben – Hauptnahrung der Bären – werden weniger, weil auch ihnen der Lebensraum abhanden kommt.“

Gefahr droht den stattlichen Tieren neuerdings auch von Eisbrechern. „Weil das Eis dünner wird, suchen sich Schiffe neue Seewege durch die Arktis“, sagt Nicolaus Entrup, Konsulent von Pro Wildlife und Ocean Care. „Vor drei Tagen hat dann sogar ein Schiff eine Scholle samt Eisbär gerammt. Das Tier kam dabei ums Leben.“

20.000 bis 25.000 Eisbären gebe es derzeit noch in Russland, den USA, Kanada, Dänemark und Norwegen. „Das hört sich zwar viel an. Ist es aber nicht. Es gibt insgesamt 19 Eisbär-Populationen, die sich nicht mischen können, weil sie zu weit getrennt voneinander leben.

Umweltschützer forderten deshalb 2010, dass Eisbären in die Kategorie 1 des Washingtoner Artenabkommens eingestuft werden. „Der Handel mit den Tieren wäre dann verboten. Doch das wurde abgelehnt“, bedauert Entrup. Und so werden auch weiterhin jährlich 7000 Eisbären abgeschossen. Sie sind bei Jägern eine beliebte Trophäe. Auch die Felle werden immer noch gehandelt. 5000 Euro zahlen Kunden – vor allem in Japan, Deutschland und Dänemark – für ein Exemplar.

Polarbären: Schwimmer und Wanderer

Gewicht Männchen wiegen ca. 800 kg und werden bis 2,85 m lang. Weibchen sind halb so groß bzw. schwer. Eisbären werden oft älter als 30 Jahre. Lebensraum Weil Eisbären die meiste Zeit am Wasser leben, zählen sie zu den Meeressäugern. Sie sind sehr gute Schwimmer und Langstreckenwanderer, die im Jahr Tausende Kilometer zurücklegen. Nachwuchs Die Eisbärin wirft das erste Mal im Alter von vier bis fünf Jahren. Im Winter bringt sie meist zwei Junge zur Welt, die nur 500 Gramm wiegen, rund 70 Prozent sterben im ersten Jahr. Weltweit gibt es noch 20.000 bis 25.000 Eisbären. Diät Haben die Meeressäuger genug Fettreserven, können sie sechs Monate ohne Nahrungsaufnahme überleben.