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Xi Jinping bei Kim Jong-un: Warum China in Nordkorea an Einfluss verliert

Zum ersten Mal seit sieben Jahren besucht Chinas Präsident Xi Jinping Nordkorea. Die herzliche Geste täuscht: Pjöngjang hat sich Peking längst ein Stück weit entzogen.
FILE PHOTO: North Korean leader Kim Jong Un and Chinese President Xi Jinping in Beijing

Schon am Vortag waren in Pjöngjang die Fahnen gehisst worden: Chinesische und nordkoreanische, abwechselnd, auf den breiten Prachtstraßen, die vom Flughafen in die Hauptstadt des am stärksten abgeriegelten Staates der Welt führen. Alles war, wie immer in Nordkorea, perfekt angerichtet für den Besuch des großen Nachbarn.

Was dann folgte, sah die Weltöffentlichkeit nur durch die Linse der chinesischen Staatsagentur Xinhua: Chinas Präsident Xi Jinping stieg die Treppe seines präsidialen Jumbo-Jets hinab. Unten, auf dem Roten Teppich, wartete Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mit seiner Ehefrau Ri Sol-ju und reicht Xi die Hand - "herzlich", wie Xinhua betont. 

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Die Straßen der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang vor der Ankunft Xi Jinpings.

Dass die Wärme zwischen den beiden kommunistischen Führern so herausgestrichen wird, ist die eigentliche Geschichte dieses Besuchs. Es war schließlich das erste Mal seit sieben Jahren, dass Xi wieder nordkoreanischen Boden betrat. Trotz der ideologischen Nähe hat sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten zuletzt abgekühlt.

Nordkoreas Nähe zu Russland ist ein Problem für China

Das liegt vor allem daran, dass sich Kim in den vergangenen Jahren stärker Russland zugewandt hat. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine lieferte Nordkorea Munition, Artilleriegeschosse und entsandte bis zu 15.000 Soldaten an die Front. 

Im Gegenzug lieferte Russland Satellitentechnologie, Energie, Lebensmittel und Medikamente. Vor allem aber unterzeichneten die beiden Atommächte 2024 einen "Partnerschaftsvertrag", der auch eine Beistandsklausel im Angriffsfall beinhaltet. Damit hat Nordkorea erstmals zwei formelle Bündnispartner - und China seine Sonderstellung eingebüßt.

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Eine klassische Dreiecksbeziehung: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin (von rechts).

Über Jahrzehnte war das Reich der Mitte die einzige Schutzmacht Nordkoreas und versuchte häufig, über diese Position Einfluss auf die deutlich kleinere Militärdiktatur auszuüben. Dieser "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" von 1961 jährt sich in diesem Jahr zum 65. Mal. Das Jubiläum ist der offizielle Anlass für Xis Besuch, der darauf hofft, Kim wieder enger an sich zu binden, um den vor allem militärisch erratischen Partnerstaat besser kontrollieren zu können.

Doch die Kim-Familie hat dieses Spiel längst perfektioniert: Schon während des Bruchs zwischen China und der Sowjetunion in den Sechzigerjahren, als beide um die Vormachtstellung in Asien rangen, spielte Nordkorea die Rivalität der beiden gegeneinander aus, bezog russische Waffen und chinesische Lebensmittel, ohne sich auf eine Seite festzulegen.

Kim lässt sich bei seinem Atomprogramm nichts diktieren

Auch Kim Jong-un erweist sich als schwer kontrollierbar, vor allem mit Blick auf sein Atomprogramm. Vergangene Woche präsentierte er eine neue Atomanlage und rief zu einer „exponentiellen" Aufrüstung auf. Kim Yo-jong, seine einflussreiche Schwester, bezeichnete den Atomstatus Nordkoreas als „unumkehrbare Realität". 

Die Exportnation China will in erster Linie Stabilität in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, Nordkoreas Raketentests und nukleare Drohungen bewirken das Gegenteil. Peking und Pjöngjang stehen in dieser Frage längst nicht mehr geschlossen da: Als Xi und Kim einander im Vorjahr in Peking trafen, fehlte im anschließenden Kommuniqué erstmals ein Bekenntnis zur nuklearen Abrüstung. Laut chinesischen Berichten soll das Thema diesmal trotzdem wieder zur Sprache kommen.

Ebenso wie Japan. Seit die japanische Premierministerin Sanae Takaichi eine mögliche chinesische Invasion der Insel Taiwan im Herbst als „existenzbedrohend" für ihr Land bezeichnete - was gemeinhin als Bekenntnis zur Verteidigung der Insel gewertet wurde - ist das Verhältnis zu China schwer belastet. Würde auch Nordkoreas Regierung Takaichis Kurswechsel öffentlich verurteilen, wäre das ein starkes Signal der Solidarität mit Peking.

Mehr als Signale werden von diesem Treffen wohl ohnehin nicht bleiben, doch das dürfte beiden Machthabern recht sein. Xi braucht die Inszenierung der Beziehung, weil ihm deren Substanz zuletzt ein Stück weit entglitten ist. Kim wiederum zeigt, dass seine Annäherung an Russland wichtig war: Schließlich ist Xi, der mächtigere der beiden, bei seiner ersten Auslandsreise in diesem Jahr nach Pjöngjang gekommen, um den Juniorpartner zu treffen, statt wie sonst üblich in Peking Hof zu halten. Und die ganze Welt hat es gesehen.

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