Donald Trump und Mike Pence

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US-Wahlkampf
10/05/2016

Wie sich Mike Pence von Trump lossagte

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat war der bessere Trump.

Mike Pence wurde von Donald Trump schon gedemütigt, da war er nichtmal noch präsentiert. Über eine halbe Stunde stand Trump am Podium, pries sich selbst und seine Kampagne und machte klar, dass ihn sein Vizepräsident eigentlich überhaupt nicht interessierte. Er war ein Zugeständnis an das republikanische Establishment, ehemaliger Gouverneur von Indiana mit langjähriger politischer Erfahrung. Quasi ein Gegenentwurf zu Donald Trump. Der ließ ihn von Anfang an links liegen.

Mike Pence hat Trump ignoriert

Daran hatte sich nichts geändert, die Gesichter, die in den US-Medien Trump und seine Statements verteidigten, gehören Chris Christie, Rudy Giuliani oder Newt Gingrich. Streitbare, aggressive Republikaner, die Trump viel mehr ähneln als der moderate Mike Pence, der nicht mit, sondern gleichzeitig mit Donald Trump wahlkämpfte. Gestern Nacht mitteleuropäischer Zeit trat er zum einzigen Duell der Vizepräsidentschaftskandidaten gegen Clintons „running mate“ Tim Kaine an. Und Beobachtern zufolge hat er geschafft, woran Trump vor einer Woche grandios gescheitert ist: Die Debatte zu gewinnen. Sein Erfolgsrezept ist sehr schnell erklärt: Er hat Donald Trump nicht verteidigt.

Die Taktik von Clintons Vize Tim Kaine war wenig überraschend: Er warf Pence immer und immer Trumps Plan- und Ahnungslosigkeit vor, sowie die Dinge, die Trump gesagt hat. Nur dass der das komplett ignorierte und stattdessen die demokratische Politik der vergangenen acht Jahre unter Präsident Barack Obama kritisierte. So ergab sich nahezu ein umgekehrtes Bild zur Debatte zwischen Trump und Clinton. Es war der Demokrat, dessen Attacken ins Leere liefen, während der Republikaner inhaltlich punktete; und sich über die Angriffe seines Gegenübers lustig machte: „Da hatten Sie aber viele kreative Sätze in Ihrem Statement“, sagte er einmal.

Eigene Kandidatur 2020?

Er hat sich nicht von den Themen distanziert, die Trump vertritt, er kleidete sie in ein seriöses Gewand. Es war, schreibt vox.com, ein Trumpism nach Trump; law-and-order-Konservativismus, der sich aus der Angst vor internationalen und nationalen Gefahren speist. Eventuell mit Hintergedanken: Tim Kaine diskutierte als potentieller Vize-Präsident und verteidigte Clinton, aber Mike Pence, urteilte ein ehemaliger Obama-Redenschreiber, diskutierte als Kandidat für das Jahr 2020.

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