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Politik Ausland
06/17/2020

Warum Peking die DNA von 700 Mio. männlichen Chinesen sammelt

Sogar Kinder werden gezwungen, Blutproben zu geben - Ziel ist es, eine umfassende genetische Überwachungs-Datenbank aufzubauen.

von Karoline Krause-Sandner

Die Behörden in China sammeln laut einem Bericht der New York Times Blutproben von Männern und Buben, um von der gesamten männlichen Bevölkerung (rund 700 Millionen Menschen) eine Art genetische Landkarte zu erstellen – offenbar ein neues Instrument des High-Tech-Überwachungsstaates.

Seit Ende 2017 seien Polizeibeamte unterwegs, um die Proben für den Aufbau einer DNA-Datenbank zu sammeln. Ziel ist es, mittels Blut, Speichel oder anderen Spuren die Familienzugehörigkeit jedes Chinesen überprüfen zu können. Und zwar laut offiziellen Angaben für kriminologische Zwecke.

Das Projekt ist ein weiterer Versuch der chinesischen Führung, Genetik zur Kontrolle der Bevölkerung einzusetzen. Es ist bekannt, dass das Regime durch verschiedene High-Tech-Instrumente seit mehreren Jahren die Verfolgung von Minderheiten und politischen Gegnern erleichtert – mittels extrem genauer Kameras, Gesichtserkennung, Smartphone-Apps und künstlicher Intelligenz.

Nicht wirklich freiwillig

Menschenrechtsgruppen warnen davor, dass die DNA-Datenbank die Polizei dazu verleiten könnte, die Angehörigen von Dissidenten oder Aktivisten zu bestrafen, so die New York Times. Zwar gibt die Polizei an, die Abgabe der Blutprobe sei „freiwillig“, jedoch weisen Menschenrechtler darauf hin, dass es in einem autoritären Staat keine solche „Freiwilligkeit“ geben könne. An der Kampagne sind sogar Schulen beteiligt, wo Kindern Blut abgenommen wird.

Laut staatlichen Medien verfügt China bereits über genetisches Material von insgesamt 80 Millionen Menschen. Frühere Bemühungen zur DNA-Sammlung richteten sich gegen kriminelle Verdächtige oder Gruppen, die sie als potenziell destabilisierend betrachteten. Die Polizei hat auch DNA von ethnischen Minderheiten wie den Uiguren gesammelt, um die Kontrolle über sie zu verschärfen.

"Du warst nicht da, aber deine DNA vielleicht"

Die New York Times zitiert den Menschenrechtsaktivisten Li Wei, der fürchtet, man könnte die DNA von (Staats-)Feinden auf Tatorten "pflanzen". Die Pekinger Polizei hat bereits eine Probe seiner DNA gesammelt, die er während einer zweijährigen Haftstrafe wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" gesammelt hat, eine Anklage, die die Behörden gegen viele Dissidenten erheben: "In einigen Fällen könnte Blut und Speichel, die im Voraus gesammelt wurden, später an einem Tatort abgegeben werden", sagte Herr Li. "Du bist nicht da, aber deine DNA könnte vor Ort sein. Das ist es, worüber ich mir Sorgen mache - die Möglichkeit, hineingelegt zu werden."

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