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Politik Ausland
01/23/2020

Wie der österreichische "Regierungsbunker" Davos schützt

Verteidigungsministerin Tanner verspricht eine Abfangjäger-Lösung bis Juli dieses Jahres.

von Armin Arbeiter

„Tiefblauer Himmel, fast schon kitschig – in unserem Einsatzraum herrschen beste Sichtverhältnisse“, verkündet der Wettermann – und das, obwohl ihn 300 Meter Fels vom Sonnenschein trennen.

In der Halle, in der der Mann steht, sitzen Reihe für Reihe Soldaten an ihren Bildschirmen und überwachen den österreichischen und den Schweizer Luftraum. Fünf Projektoren werfen Lagebilder und Landkarten an die Wand, auf denen sich Punkte in verschiedenen Farben bewegen. Flugzeuge.
Auf einem Bildschirm ist ein großer Kreis südlich von Vorarlberg sichtbar: „In der Mitte dieses Kreises liegt Davos – ab einer Entfernung von 45 bis 60 Kilometer können wir reagieren, sobald dem Weltwirtschaftsforum Gefahr aus der Luft droht“, sagt der kommandierende Oberst zur neuen Verteidigungsministerin, Klaudia Tanner (ÖVP), die sich ein Bild vor der Lage macht.

Monsterprojekt

Wie jedes Jahr, wenn sich die Eliten der Welt in Davos treffen, übernimmt Österreich einen Teil der Luftraumsicherung, genannt „Daedalus20“. Wie jedes Jahr wird diese Sicherungsoperation von der „Einsatzzentrale Basisraum“, landläufig als „Regierungsbunker“ bekannt, durchgeführt.

Dort befindet sich das Herzstück des Luftabwehrsystems Goldhaube, was erklärt, warum die Operation unter Tage vonstatten geht.Als der Kalte Krieg Anfang der 70er Jahre in eine heißere Phase geriet, beschloss die damalige Bundesregierung, einen atombombensicheren Ort zu errichten, von dem aus die Geschicke der Republik weitergeführt werden könnten.

Da der Osten Österreichs im Falle einer sowjetischen Invasion nicht zu halten gewesen wäre, fiel die Wahl auf ein Gelände in der Nähe von St. Johann im Pongau.

Mit massivem Aufwand sprengten Fachkräfte den Tunnel in den Berg, um in dessen Herz eine gewaltige Kaverne zu schaffen. Ein langjähriger Mitarbeiter erinnert sich: „Als die Bauarbeiten an der Zentrale begonnen haben, haben die Lastwagen ausgesehen wie Spielzeugautos, so gigantisch war der Hohlraum“, sagt er zum KURIER.

1,3 Millionen Flugbewegungen gibt es jährlich in Österreich, im Durchschnitt kommt es einmal pro Woche zu einem Einsatz der Eurofighter. „Sobald sich ein Flugzeug nicht mehr meldet, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen und gehen in den Einsatz. Zum Glück sind die Hauptgründe dafür technisches Gebrechen oder ein Fehler des Piloten“, sagt ein Offizier.

Lösung versprochen

Ministerin Tanner stellt viele Fragen während der Lageeinweisung, lässt sich die Abläufe von Eurofighter-Einsätzen erklären.Im Ernstfall kann ein Eurofighter binnen 20 Minuten an jedem Punkt Österreichs sein, während der „Daedalus20“ sind vier der Abfangjäger im Einsatz, ständig ist einer in der Luft.

Tanner ist sich der Dringlichkeit in der Causa Abfangjäger bewusst: „Wir werden im ersten Halbjahr 2020 eine Entscheidung mit adäquaten und effizienten Ergebnissen treffen“, sagt sie.

 

Sie lobt die gute Zusammenarbeit mit der Schweiz und Deutschland, macht jedoch auch deutlich, dass Österreich eine eigene aktive und passive Luftraumüberwachung brauche.

Nachbarn im Bunker

Damit die Kommunikation mit den Eidgenossen noch besser ist, sitzt ein Schweizer Verbindungsoffizier mit im Bunker – ebenso wie Deutsche.

Seit 2017 ist es möglich, dass Militärflugzeuge aus Österreich und der Schweiz verdächtige Luftfahrzeuge über die eigenen Staatsgrenzen hinaus verfolgen können – damit werden im Ernstfall wertvolle Minuten gespart.

Dieses „Nacheile“ genannte Abkommen will Tanner auch mit Deutschland abschließen: „Wir sind derzeit in Verhandlungen, grundsätzlich gibt es ein gutes Einvernehmen“, sagt die Ministerin. Noch bis heute, Freitag, sichert das Bundesheer gemeinsam mit der Schweizer Armee den Luftraum über Davos, danach wird es um die „Einsatzzentrale Basisraum“ wieder stiller werden. Hoffentlich.