© REUTERS/Dado Ruvic

Politik Ausland
09/03/2020

Wie ein Corona-Impfstoff in Europa verteilt wird

Impfstoff für drei Millionen Österreicher. Die EU geht bei Kauf und Verteilung der ersehntem Mittel dieses Mal gemeinsam vor.

von Ingrid Steiner-Gashi

Eine Impfung gegen Corona sei vielleicht ab Jänner möglich, lässt Gesundheitsminister Rudolf Anschober wissen. Ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, hängt an drei Bedingungen:

Bis dahin muss der Impfstoff gründlich getestet, in Europa zugelassen und in ausreichender Menge vorhanden sein.

Für alle drei Voraussetzungen sehe es derzeit gut aus, glaubt Peter Liese. „Sechs Impfstoffprojekte befinden sich derzeit in der Phase III“, schildert der einflussreichste Gesundheitspolitiker (CDU) im EU-Parlament in Brüssel. Die dritte Phase, das ist jener Massentest, bei dem jeweils Zehntausende Menschen geimpft werden und nach dem um Zulassung angesucht werden darf, sofern sich der Impfstoff als wirksam erweist.

Am weitesten vorne liegt laut Liese das Mittel der Mainzer Firma BioNtech und deren Partner Pfizer. Sie wollen ihre klinischen Tests im Oktober abschließen und schon im November Zulassung beantragen.

Nach Erwartung des gesundheitspolitischen Sprechers der EVP-Fraktion werden aber mehrere Unternehmen „noch heuer und Anfang kommenden Jahres um Zulassung ansuchen. Aber Garantien, dass alles klappt, gibt es keine“, sagt Liese.

400 Millionen Dosen

Dennoch hat die EU-Kommission bereits Vorverträge für den Kauf von Impfstoffen abgeschlossen. Denn anders als beim bisher oft chaotischen Kampf der EU-Staaten gegen die Corona-Folgen geht die EU nun gemeinsam vor: Brüssel kauft für alle 27 EU-Staaten bei erfolgreichen Unternehmen Impfdosen und verteilt sie dann zentral. So soll ein Gerangel unter den EU-Staaten vermieden werden, wer als erster den Impfstoff erhält.

Beim Pharmaunternehmen AstraZeneca (zusammen mit der Uni Oxford) hat sich die EU-Kommission 400 Mio. Dosen des Impfstoffs gesichert. Österreich wird davon sechs Millionen Dosen erhalten. Vorverkaufsverträge gibt es zudem mit weiteren fünf Pharmaunternehmen.

Weil für eine Immunisierung jede Person zwei Mal geimpft werden muss, wird damit Impfmaterial für drei Millionen Österreicher zur Verfügung stehen.

Eine Durchimpfungsrate von 50 Prozent der Bevölkerung, wie sie Anschober anregt, hält Liese nicht für notwendig. „Bei einer klugen Impfstrategie, beginnend beim Gesundheitspersonal und den Risikopersonen, kann es auch mit einer Rate zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung funktionieren“, ist Liese überzeugt.

„Ab Frühling werden wir also Schritt für Schritt wieder in ein normales Leben zurückkehren.“

Aber wer haftet, wenn es bei diesen im Schnellverfahren durchgezogenen Impfstoffen zu Komplikationen kommt? „Das Risiko wird geteilt“, sagt Liese – zwischen EU-Kommission und Pharmafirmen.

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