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Politik Ausland
06/25/2012

Wer sind die ägyptischen Muslimbrüder?

Zwischen Sozialpolitik und religiösem Fanatismus - Die ägyptischen Muslimbrüder im Detail.

von Konrad Kramar

Wer sind die Muslimbrüder?

Die Bewegung wurde 1928 in Ägypten gegründet. Ihr Ziel ist die Durchsetzung des islamischen Rechts, der Scharia, in allen Bereichen der Gesellschaft. Sie oder Tochterorganisationen (etwa die Hamas) sind heute in fast allen islamischen Staaten prominent vertreten.

Was ist ihre Hauptaufgabe?

Die Muslimbruderschaft hat sich ursprünglich als Organisation mit sozialen Aufgaben verstanden, also religiöse Erziehung, Lebensmittel, finanzielle und medizinische Hilfe für Arme. Sie bekam aber sehr rasch politische Macht und spielt bis heute eine entscheidende Rolle in der Politik Ägyptens und anderer Staaten.

Wer ist ihr Kopf?

Der 62-jährige Geschäftsmann und Multimillionär Khairat al-Shater. Er vertritt eine streng konservative Ausrichtung des Islam, sieht seine Hauptaufgaben aber auf sozialem und wirtschaftspolitischem Gebiet.

Wie mächtig sind sie?

Über Jahrzehnte verboten, hat die Bewegung erst nach dem Ende von Hosni Mubaraks Herrschaft eine Partei gegründet: "Freiheit und Gerechtigkeit". Diese ist seit ihrem Sieg bei den Parlamentswahlen 2011 mit Abstand stärkste politische Kraft und stellt nun mit Mohammed Mursi den Präsidenten. Zwar ist das Parlament inzwischen aufgelöst, die Muslimbrüder aber sind – entgegen früheren Versprechungen – entschlossen, ihre Position der Stärke in der ägyptischen Politik zu verteidigen. Doch die wahre Macht der Muslimbrüder liegt in ihrer dichten Organisation in ganz Ägypten. Sie sind in jedem Dorf durch lokale Autoritäten vertreten, meist der Prediger in der Moschee, aber auch Lehrer oder Ärzte. Sie sind die einzige Bewegung, die in Ägypten Massen mobilisieren kann.

Wie radikal sind sie?

Die Muslimbruderschaft gibt sich heute als konservative, aber gemäßigte islamistische Partei, die etwa Toleranz gegenüber den Christen im Land und keinerlei Einschränkungen für den Tourismus verspricht. Doch es gab und gibt in der Bewegung radikale und militante Strömungen. Ayman al-Zawahiri etwa, seit dem Tod Osama bin Ladens die Nummer eins der El Kaida, war Mitglied der Muslimbruderschaft. In vielen Dörfern kümmert sich ein Arzt der Muslimbrüder um die Beschneidung von Mädchen.

Sind sie eine Gefahr?

E inmal an der Macht, wollen die Muslimbrüder strenge Gesetze erlassen, etwa das Verbot von Alkohol und Bikinis. Die Privatsphäre der Ägypter soll unangetastet bleiben. Auch heikle internationale Verträge, wie etwa jenen mit Israel, will man beibehalten. Einzelne Änderungen aber behält man sich vor.

 

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