Euphrat-Staudamm nahe Rakka in Syrien

© REUTERS/RODI SAID

Politik Ausland
08/04/2020

Wasser als Waffe: Dreht die Türkei Syrien den Hahn ab?

Im kurdisch dominierten Nordsyrien sinkt der Pegel des Euphrat dramatisch. Verantwortlich dafür soll die Regierung in Ankara sein.

von Irene Thierjung

Bis zu 50 Grad im Schatten, Dürre und Wassermangel – die Menschen in Syrien und dem Irak erleben den Klimawandel derzeit mit aller Wucht. Die Lebensadern der zwei Länder, die Flüsse Euphrat und Tigris, führen deutlich weniger Wasser als sonst, laut der Internationalen Organisation für Migration sanken die Pegel noch nie so rasant wie in den vergangenen Wochen.

Die Rekordtemperaturen allein können das allerdings nicht erklären. Beobachter machen vielmehr die Türkei für die Krise verantwortlich – und orten politische Gründe.

Umstrittene Projekte

Sowohl Tigris als auch Euphrat entspringen in der Türkei, auf türkischer Seite wurden im Rahmen des umstrittenen Südostanatolien-Projektes in den vergangenen Jahrzehnten 22 Staudämme, 19 Wasserkraftwerke sowie große Bewässerungsanlagen errichtet.

Mit Syrien ist seit 1987 vertraglich geregelt, dass die Türkei mindestens 500 Kubikmeter Euphrat-Wasser pro Sekunde an das Nachbarland liefern muss.

„Gerade sind es weniger als 200 Kubikmeter“, zitiert der Spiegel den Betriebsleiter des zweitgrößten syrischen Staudamms, der Tischrin-Talsperre nahe der Grenze. Derzeit könne nur ein Viertel der üblichen Strommenge erzeugt werden.

Millionen Menschen haben nun nicht mehr nur mit Bürgerkrieg und Corona zu kämpfen, sondern auch mit Energieknappheit und einer drohenden Hungerkrise. Der Nordosten Syriens gilt als Kornkammer des Landes, die meisten Bewohner leben von Landwirtschaft und Fischfang – weniger Wasser bedeutet weniger Ertrag.

Verwaltet wird die Region größtenteils von kurdischen Kräften, gegen die die Türkei sowohl im eigenen Land als auch in Syrien und im Irak Krieg führt.

Konflikte nehmen zu

Experten zufolge nutzt die Türkei ihre Kontrolle über den Euphrat, um ihre Macht zu demonstrieren. „Sie zeigt auch, dass die syrische-kurdische Selbstverwaltung nicht in der Lage ist, die Wasserversorgung zu sichern und schwächt so deren Legitimität“, sagt Tobias von Lossow, der in Den Haag zu Wasser und Konflikten forscht.

Wasser als Waffe ist dabei nicht neu: Die kalifornische Denkfabrik „Pacific Institute“ zählt in ihrer Datenbank mehr als 900 Konflikte, bei denen Wasser eine Rolle spielte – beginnend in der Antike.

Wurde bereits in den vergangenen 20 Jahren eine Steigerung verzeichnet, dürften Auseinandersetzungen um Wasser, wie sie etwa auch Israel und seine arabischen Nachbarn (um den Jordan) oder Äthiopien und Ägypten (Nil) führen, angesichts von Klimawandel und Bevölkerungswachstum künftig weiter zunehmen.

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