Demonstranten zündeten die alte Kirche von Asuncion an

© APA/AFP/CLAUDIO REYES

Politik Ausland
10/20/2020

Warum in Chile Kirchen brennen

Ein Jahr nach schweren Unruhen und vor einem Referendum, ob es eine neue Verfassung geben soll, gärt es in dem Anden-Staat

Vor gut einem Jahr brachen in Chile die ersten großen Proteste aus. Entzündet hatten sie sich zunächst an einer Fahrpreiserhöhung für die Metro, doch danach schlossen sich immer mehr Menschen den Demonstrationen an und forderten grundsätzliche Reformen in der Anden-Nation. Am Sonntag wurde trotz noch nicht überwundener Corona-Pandemie an den Jahrestag der ersten Proteste erinnert.

Die überwiegend friedliche Demonstration endete allerdings im Chaos. Dabei wurden auch zwei katholische Kirchen niedergebrannt, eine davon ist eine Polizeikirche. Zudem kam bei einer Schießerei zwischen Demonstranten und Polizisten ein Mensch ums Leben.

In der Kritik steht die chilenische Polizei, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorging. Amnesty International fordert Ermittlungen gegen die Polizeispitze, weil Hunderte Menschen unter anderem schwere Augenverletzungen davontrugen.

Auch ein kleiner Teil der Protestbewegung gilt als gewaltbereit und attackiert Symbole der bislang tonangebenden Eliten wie Polizei, Kirche oder öffentliche Gebäude.

Auch Kirche Ziel der Proteste

Die katholische Kirche ist zur Zielscheibe eines Teils der Demonstrationen geworden, weil sie sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ausspricht und von einem massiven Missbrauchsskandal erschüttert.

Die monatelangen Proteste führten schließlich dazu, dass kommenden Sonntag darüber abgestimmt werden soll, ob das südamerikanische Land eine neue Verfassung, also eine Art neues Betriebssystem für die Gesellschaft bekommt.

Die aktuelle Verfassung stammt noch aus der Zeit der brutalen rechten Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973 -1990). Sie wurde und wird bis heute von den Sicherheitskräften u. a. als Grundlage dafür verwendet, hart gegen demonstrierende Ureinwohner, die Mapuche, aber auch gegen Regierungsgegner vorzugehen. Laut Umfragen gilt eine Mehrheit für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung als sicher.

In Chile entscheidet sich aber auch eine ganz andere Frage, die auf die Region ausstrahlen wird. Geklärt werden soll und muss, welche Rechte die Ureinwohner haben und wie diese in einer neuen Verfassung verankert werden. In Chile wie auch in Argentinien sind die Mapuche nicht mehr bereit, sich vom Staat mit Versprechungen hinhalten zu lassen, und agieren mit Landbesetzungen oder dem Niederbrennen von Lkw. Sie wollen sich in autonomen Regionen selbst verwalten.

Ureinwohner diskriminiert

Schätzungen zufolge gibt es noch rund 600.000 Mapuche im Süden Chiles. Hunderttausende weitere leben größtenteils kulturell entwurzelt in der Hauptstadt Santiago. Nur noch 10 bis 15 Prozent der Mapuche sprechen aktiv ihre Sprache, das Mapudungun.

Im Alltag sind die Ureinwohner Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt. Die Pinochet-Diktatur leugnete überhaupt das Vorhandensein einer ethnischen Minderheit.

Von Tobias Käufer

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