Israelische Offensive auf der Sinai-Halbinsel im Sechstageskrieg 1967

 

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Politik Ausland

Warum immer Krieg in Nahost? Fragen und Antworten

Seit einem Jahrhundert kommt der Nahe Osten nicht zur Ruhe: Was steckt hinter dem endlosen Konflikt?

von Konrad Kramar

05/16/2021, 10:20 AM

Warum der Gaza-Streifen?

Der Gazastreifen ist das einzige wirklich geschlossene Gebiet unter Kontrolle der PalĂ€stinenser, anders als das Westjordanland, das von israelischen Siedlungen durchzogen ist. Israel hat dort seine Siedlungen 2005 gerĂ€umt. Er wird seit 2006 von der radikalislamischen Bewegung Hamas beherrscht, deren erklĂ€rtes Ziel die Zerstörung Israels ist und die wirkliche Verhandlungen mit der Regierung in Jerusalem ausschließt. Die Hamas hat seit Jahren ein riesiges Arsenal an Kurzstreckenraketen angehĂ€uft, oft simple Konstruktionen, die nur wenige Kilometer weit fliegen, aber auch technisch anspruchsvollere Waffen, die Geheimdiensten zufolge aus dem Iran stammen. Mit diesen Raketen hat man Israel in den vergangenen Jahren wiederholt angegriffen, das wiederum mit massiven Luftangriffen, aber auch VorstĂ¶ĂŸen auf dem Boden reagiert hat. Der Gazastreifen zĂ€hlt zu den dichtest besiedelten Regionen der Erde, auf einer FlĂ€che von der GrĂ¶ĂŸe von Wien leben zwei Millionen Menschen.

Warum der Konflikt um diesen Flecken Land?

WÀhrend des antisemitischen Terrors in Europa unter der deutschen Nazi-Herrschaft wird PalÀstina ab 1933 einer der wichtigsten Zufluchtsorte, um der Schoah zu entkommen. Auch aus arabischen Staaten, die mit dem NS-Regime sympathisieren, fliehen Juden vor Pogromen in das britische Mandatsgebiet am Mittelmeer.

Hier erklÀrt die KURIER-History-Redaktion die Vorgeschichte

 

 Nach dem Zweiten Weltkrieg rufen die Vereinten Nationen zur Teilung des von Briten verwalteten PalĂ€stina in einen jĂŒdischen und einen muslimisch geprĂ€gten arabischen Staat auf. Die Juden stimmen zu, die Araber lehnen den Plan ab.


Wann bricht der Krieg mit den Arabern aus?


Unmittelbar nach der UnabhĂ€ngigkeit Israels erklĂ€ren am 15. Mai 1948 die Nachbarn Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien den Krieg. Im Kampf kann der neue Staat sein Territorium vergrĂ¶ĂŸern und den Westteil Jerusalems erobern. Rund 700.000 PalĂ€stinenser fliehen in die NachbarlĂ€nder, wo die Nachkommen heute teils noch in FlĂŒchtlingslagern leben. Ihre Zahl ist inzwischen auf mehr als fĂŒnf Millionen angewachsen. Andererseits werden Juden aus den arabischen Staaten vertrieben - beziehungsweise fliehen nach Israel. Es wird geschĂ€tzt, dass von den 900.000 Juden, die vor 1948 in arabischen LĂ€ndern lebten, heute nur wenige Tausend noch dort wohnen.

Welche Kriege und FriedensbemĂŒhungen gab es danach?

Über die Jahrzehnte kommt es immer wieder zu Kriegen zwischen Israel und seinen Nachbarn, die den jungen Staat vernichten wollen. Im Sechstagekrieg von 1967 erobert Israel den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem, die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel. Die spĂ€tere Einverleibung Ost-Jerusalems und der Golanhöhen in israelisches Staatsgebiet ist international nicht anerkannt. 1973 gelingt es dem jĂŒdischen Staat nur unter schweren Verlusten, einen Überfall arabischer Staaten unter FĂŒhrung Ägyptens und Syriens an Jom Kippur, dem höchsten jĂŒdischen Feiertag, abzuwehren.
Bis heute hat Israel mit einem Teil seiner Nachbarn Frieden geschlossen. Etwa mit Ägypten beim historischen Friedensabkommen von Camp David in den USA, das US-PrĂ€sident Carter maßgeblich vermittelt hat.

Mittlerweile unterhĂ€lt das Land diplomatische Beziehungen zu Ägypten, das 1982 den Sinai zurĂŒckerhielt, und Jordanien. Auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain soll das VerhĂ€ltnis normalisiert werden.

Wer sieht Israel als seinen heutigen Hauptfeind?

Den Iran. Die Regierung in Jerusalem sieht nicht nur das iranische Atomprogramm als Bedrohung seiner Existenz an, sondern auch den Einfluss Teherans in Nachbarstaaten und Territorien Israels ĂŒber VerbĂŒndete Terrorgruppen und radikale politische Bewegungen. So gilt die im Libanon, aber auch in Syrien seit Jahrzehnten aktive Hisbollah als Handlanger Teherans. Sie hat auch in den vergangenen Jahren mehrfach Angriffe auf israelisches Territorium gestartet. Israel reagiert mit Luftangriffen. 2006 fĂŒhrte Israel eine umfassende Bodenoffensive gegen die Hisbollah auf libanesischem Territorium durch, allerdings unter schweren Verlusten.

Auch die Hamas, die heute den Gazastreifen kontrolliert, gilt als Handlanger des Iran, der sie mit Waffen beliefern soll.

Wie verlief der Konflikt mit den PalÀstinensern?

Sie fĂŒhlen sich ihrer Heimat beraubt. Im Gazastreifen leben derzeit zwei Millionen Menschen unter miserablen Bedingungen und unter einer Blockade Israels, die von Ägypten mitgetragen und mit Sicherheitsinteressen begrĂŒndet wird. Auch im besetzten Westjordanland ist das Leben wegen der israelischen Besatzung von vielen HĂŒrden geprĂ€gt.
Proteste mĂŒndeten in der Vergangenheit hĂ€ufig in Gewaltspiralen und Terrorattacken mit vielen Toten in Israel. Als Auslöser der Ersten Intifada (arabisch fĂŒr „Aufstand“) im Dezember 1987 gilt ein Verkehrsunfall, bei dem in einer sowieso schon angespannten Lage vier PalĂ€stinenser getötet wurden. Die Zweite Intifada beginnt 2000 nach einem demonstrativen Besuch des damaligen israelischen OppositionsfĂŒhrers Ariel Scharon an der Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg.

Danach steigt die Zahl palÀstinensischer SelbstmordanschlÀge schnell an - auch im israelischen Kernland. 2003 beginnt Israel mit dem Bau einer 750 Kilometer langen Sperranlage rund ums Westjordanland. ZÀune und Mauern verlaufen zum Teil auf palÀstinensischem Gebiet.

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