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Politik Ausland
12/16/2021

Warum die Kennedys wieder für Schlagzeilen gut sind

Neue Dokumente zum Mordfall John F. Der Neffe des getöteten Präsidenten spinnt eigene Verschwörungstheorien – mit Riesenerfolg.

von Konrad Kramar

Fast 60 Jahre sind seit den tödlichen Schüssen von Dallas vergangen, und immer noch warten Historiker, Journalisten und natürlich jede Menge Verschwörungstheoretiker auf neue Unterlagen und Fakten zum Mord an John F. Kennedy. Hat ein verhaltensgestörter Einzelgänger, getrieben von politischen Wahnideen, die Geschichte der USA im Alleingang und mit einer per Post bestellten Waffe auf den Kopf gestellt? Das zu glauben, fällt Vielen bis heute schwer.

1.500 neue Dokumente

Wirkliche Überraschungen, oder auch neue Rätsel, liefern die etwa 1.500 Dokumente nicht, die das US-Nationalarchiv nun freigegeben hat. Die Behörde folgt damit schlicht einem Erlass von US-Präsident Biden, der die Veröffentlichung der noch unter Verschluss gehaltenen Kennedy-Dokumente angeordnet hat. Eine weitere Tranche folgt im kommenden Jahr.

Jagd auf UdSSR-Visum

Die Abhörprotokolle der CIA, die jetzt einsichtig sind, zeigen vor allem, wie hektisch Oswald in den Monaten vor der Tat versucht hatte, aus den USA in ein kommunistisches Land zu entkommen. In Mexiko City stattete er offensichtlich der Botschaft Kubas, mehrere Besuche ab und telefonierte mehrmals mit jener der Sowjetunion. Der ehemalige Marine war ja schon Jahre zuvor in die Sowjetunion gereist, hatte russisch gelernt und sich offensichtlich so sehr für die Ideale des Kommunismus begeistert, dass er – inzwischen mit einer Russin verheiratet – Sowjetbürger werden wollte.

Rätselhafte Rückkehr

Wieso Oswald in die USA zurückkehrte, bleibt wie vieles in seiner Biografie bis heute unklar. Also auch, warum er so kurz vor dem Mord hektisch versuchte, nach Kuba und vermutlich in die UdSSR zu gelangen. Wenig später – einen Monat vor Dallas – kehrte er in die USA zurück.

Gab Castro Inspiration?

Was die CIA laut den neuen Unterlagen ebenfalls intensiv beschäftigte, war die Tatsache, dass Oswald offensichtlich ein Interview mit Fidel Castro gelesen hatte, in dem dieser über die zahlreichen Mordversuche der US-Geheimdienste an ihm erzählte, aber auch, dass Kuba sich dafür rächen werde.

Verschwörungstheoretiker

Genug neuer Stoff also für Verschwörungstheoretiker. Einer der prominentesten und derzeit erfolgreichsten Vertreter dieser Gattung ist ja selbst Mitglied der Familie Kennedy. Robert ist Neffe des ermordeten Präsidenten und Sohn des ebenfalls bei einem Attentat ums Leben gekommenen Bobby. Der Harvard-Absolvent machte sich eigentlich als Anwalt in Umweltfragen einen Namen.

Impfgegner

In den Nullerjahren begann er sich aber mit Impfungen zu beschäftigen, verstrickte sich immer tiefer in Theorien über Nebenwirkungen.

Star für rechte Talkshows

Mit dem Ausbruch der Pandemie wurde Kennedy zum Star der Bewegung, die sich den Maßnahmen widersetzte. Sein prominenter Name machte ihn zum attraktiven Gast rechter Talkshows in Sendern wie Fox News. Dort arbeitete er sich vor allem an seinem Feindbild, dem Direktor der Gesundheitsbehörde, Anthony Fauci, ab. Schließlich entstand aus all den kruden Theorien ein Buch, in dem nicht nur Fauci, sondern auch gleich Bill Gates, die Pharmaindustrie und andere verteufelt wurden.

Bestseller

Der seltsam ausschweifende Titel des vor einigen Wochen erschienenen Werks: "The Real Anthony Fauci. Bill Gates, Big Pharma and the global war on Democracy and Public Health". In den USA führt es die Bestsellerlisten an. Die Familie Kennedy hat sich von ihrem schwarzen Schaf öffentlich distanziert. Der aber gibt sich entschlossener denn je. Die aktuelle Kinderimpfung, wettert er auf Twitter, sei nichts anderes als der Versuch, deren Identität ins digitale Universum der Tech-Giganten einzuschleusen.

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