Der saudische Kronprinz Abdullah bin Salman

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Analyse
12/08/2019

Warum das Abdullah-Zentrum missverstanden wird

Für pro-saudische Propaganda ist das Dialogzentrum eine eher ungeeignete Institution.

von Michael Hammerl

Wird das König-Abdullah-Zentrum in Wien missverstanden? Sobald es in den vergangenen Jahren zu einer Menschenrechtsverletzung in Saudi-Arabien kam, wurde vom KAICIID eine Stellungnahme gefordert. Da wäre die Verurteilung des Regime-kritischen Bloggers Raif Badawi zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben. Oder die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi, die der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman angeordnet haben soll. Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Das KAICIID hat in keinem der genannten Fälle klar Stellung bezogen. Verbunden mit der Behauptung, dass Saudi-Arabien das Zentrum für propagandistische Zwecke finanziert, entsteht zwangsweise eine schlechte Optik. Um die Abneigung gegen das Abdullah-Zentrum zu verstehen, muss man allerdings einen Schritt zurückmachen, das Gesamtbild betrachten.

Nähe zum radikalen Islamismus?

Gegründet wurde es 2011, als noch Abdullah ibn Abd al-Aziz saudischer König war. König Abdullah setzte sich während seiner Amtszeit für eine sanfte religiöse Öffnung Saudi-Arabiens ein, galt aber bis zu seinem Tod 2015 als strammer Wahhabit – wie auch sein Neffe bin Salman.

Dem salafistischen Wahhabismus wird eine Nähe zum radikalen Islamismus nachgesagt. Kritiker haben das Abdullah-Zentrum deshalb von Anfang an als Brutstätte eines radikalen Islam in Wien bezeichnet. Selbst Terroranschläge, wie jener auf das Bataclan in Paris 2015, wurden auf das KAICIID projiziert.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich das Abdullah-Zentrum zumindest von islamistischem Terror wiederholt klar distanziert hat. Zu oft wird zudem vergessen, dass sich das KAICIID nicht als politische Organisation definiert, sondern interreligiösen und interkulturellen Dialog fördern soll.

Zu pluralistisch

Ist das glaubhaft? Das Direktorium ist mit Vertretern der Weltreligionen besetzt: Islam, Christentum, Judentum sowie Buddhismus und Hinduismus. Auch auf die Mitarbeiter des Zentrums lässt sich dieser Umstand anwenden, erst recht auf Veranstaltungen.

Für eine effiziente Propaganda-Maschinerie ist ein solcher Apparat ungeeignet. Und als pro-saudische Image-Politur ist das Abdullah-Zentrum unwirksam, solange Enthauptungen in Saudi-Arabien quasi jedes Wochenende stattfinden. In Wien gibt es im Übrigen auch eine saudische Botschaft. Darüber wird tendenziell nie diskutiert.

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