Der britische Premier feiert Weihnachten wie immer

© APA/AFP/JUSTIN TALLIS

Politik Ausland
12/02/2021

„Wange an Wange“ feierte Boris Johnson mit engstem Team im Lockdown

Heimliche Party am Amtssitz in der Downing Street: Der Premier will auch heuer keine Weihnachtsfeiern absagen

von Georg Szalai

40 bis 50 Leute „Wange an Wange“ bei einer feucht-fröhlichen Party. Nein, es war nicht eine der in Großbritannien beliebten Firmen-Weihnachtsfeiern mit Abendessen, Drinks und Disco in einem Hotel, die der Daily Mirror da beschrieb.

Es war, so anonyme Informanten der Zeitung, ein Fest des britischen Premiers Boris Johnson mit seinem Team im Amtssitz in der Downing Street im November 2020 als London sich im zweiten Lockdown befand. Versammlungen waren nur erlaubt, wenn sie für die Arbeit wirklich erforderlich waren. „Boris-Party verstieß gegen COVID-Regeln“, titelte also die Zeitung.

In der Woche vor dem Heiligen Abend feierten dann, nachdem eine Weihnachtsparty auf Zoom verlegt worden war, „Top-Mitglieder seines Teams“ wieder und stießen bei einem Quiz und Engerl-Bengerl mit Wein an. Eine Quelle beschrieb die Feste als „COVID-Alptraum“, auch wenn ein Johnson-Sprecher beteuerte: „COVID-Regeln wurden zu jeder Zeit eingehalten“. Das Portal Politico fasste die Kontroverse so zusammen: „Last Christmas I gave you my party“.

Ein Geschenk für Labour

Ein frühes Geschenk bescherte all das am Mittwoch Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour Partei. Bei der wöchentlichen Unterhaus-Fragestunde bat er Johnson, auszupacken, ob sein Team wirklich gefeiert habe, während Briten ihre Familien nicht sehen durften. Der Premier bestritt die Feste nicht, sondern meinte lediglich, „alle Richtlinien wurden vollständig befolgt“. Starmer schoss zurück, er wolle Briten wohl „zum Narren halten“: „Wie immer gibt es eine Regel für (die Tories), und andere Regeln für uns“.

Johnson will aber den Weihnachtsfrieden heuer sichern. Um niemandem, und vielleicht auch sich selbst, nicht die Adventstimmung zu vermiesen, will er Covid-Restriktionen in England vermeiden. Obwohl Details zur Mutante Omikron noch nicht bekannt sind, will er über die bisher angekündigte Maskenpflicht in Bereichen wie Öffis und Geschäften und Quarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten nicht hinausgehen. Doch manche Regierungsexperten mahnen nun zu mehr sozialer Distanz.

Mach den Partymuffel

Jenny Harries, Chefin der Gesundheitsbehörde, riet Landsleuten etwa dazu, auch mal Partymuffel zu sein und „nicht unter Leute zu gehen, wenn wir es nicht unbedingt müssen“. Laut Medienberichten wurden wegen Omikron bereits erste Weihnachtsfeiern abgesagt, und so manches Krippenspiel in Schulen soll nun virtuell stattfinden.

„Wir möchten nicht, dass Leute solche Veranstaltungen absagen“, betonte aber Johnson. Er will jetzt bei der Drittimpfung, die er selbst am Donnerstag bekommen soll, aufs Gas steigen. Allen 23 Millionen Menschen in England ohne Booster soll dieser bis Ende Januar angeboten werden. Dazu sollen laut Johnson Impfzentren wieder „wie Christbäume aus dem Boden schießen“.

Der Regierungsberater und Epidemiologe Prof. Andrew Hayward warnte aber, dass Omikron plus „intensivierte soziale Kontakte bei Weihnachtsveranstaltungen zu einem früheren Infektionshöhepunkt im neuen Jahr führen könnten, bevor wir mit dem Boostern entgegenwirken“.

Georg Szalai, London

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