Waldbrände in Südeuropa: Tote Einsatzkräfte und „albtraumhafte“ Zustände
Acht Boote waren nötig, um die Urlauber aus dem Dorf Agia Galini zu retten. Auf der Insel Kreta hatte sich der Waldbrand seit Mittwoch derart schnell ausgebreitet, dass der Ort an der Südküste vom Feuer eingekesselt wurde, rund 8.000 Menschen konnten nur noch über das Meer in Sicherheit gebracht werden. „Es war eine albtraumhafte Nacht“, sagte Vizegouverneurin Maria Lioni im griechischen Fernsehen.
Europas Süden brennt – und das seit Mittwoch aufgrund der neuen Hitzewelle an mehreren neuen Fronten. Auf Kreta war der Großbrand am Donnerstagabend weiter außer Kontrolle. Starke, wechselnde Winde verhinderten den Einsatz von Löschflugzeugen und erschwerten die Bedingungen auf dem Boden. Zwei griechische Feuerwehrmänner verloren im dichten Rauch die Orientierung und verbrannten in ihrem Einsatzwagen. Ein dritter Kollege starb bei einem weiteren Feuer auf dem Peloponnes an den Folgen einer Rauchgasvergiftung.
Weitere Brandherde
In der Türkei brachen gleich mehrere Feuer aus, vor allem im Süden und Westen. In den Provinzen Antalya, Muğla und Balıkesir würden die Einsatzkräfte die Brände laut Forstminister İbrahim Yumaklı zwar „bald unter Kontrolle“ bringen, doch in der Nacht auf Donnerstag kam vor der Küstenstadt Fethiye ein weiteres Feuer hinzu.
Selbst im für sein Regenwetter bekannten Osten Englands stand die Heide von Suffolk in Flammen. Die Behörden riefen Großalarm aus. In Frankreich und Spanien, wo seit Tagen Großbrände wüten, zeigte sich unterdessen ein zwiespältiges Bild.
Vorsichtige Entspannung
Knapp vor Bordeaux, wo bereits 42.000 Hektar verbrannten, lieferte sich die Feuerwehr bei 41 Grad und starkem Wind einen harten Kampf mit der Natur. Tatsächlich konnte die Brandfläche eingedämmt werden. „Man kann für die kommenden Tage optimistischer sein“, so Sophie Brocas, Präfektin der Provinz Gironde. 84.000 Evakuierte durften in ihre Häuser zurückkehren. Zugleich brachen landesweit neue Brände aus: Bei Brignoles in der Provence, vor Dijon sowie in den Wäldern von Fontainebleau vor Paris.
Die Feuer in den spanischen Provinzen Sierra Norte und Toledo gelten als stabilisiert, auch in der bisher am stärksten betroffenen Provinz Ávila erhielten alle Evakuierten grünes Licht für die Rückkehr, viele fanden nur verbrannte Ruinen vor. Premier Pedro Sánchez warnte: Zehn Brände seien noch aktiv, mehr als 9.500 Menschen dürften weiterhin nicht in evakuierte Gebiete im Großraum Madrid zurück.
Dass die Entwicklung kein Zufall ist, belegt eine aktuelle Studie im Fachblatt Scientific Reports. Demnach gebe es inzwischen im Schnitt doppelt so viele Tage mit hohem Waldbrandrisiko in Südeuropa als 1981: Die Region trete in eine Ära extremer Brandgefahr ein. Paradoxerweise entstehen aufgrund besserer Prävention insgesamt weniger Waldbrände, dafür deutlich mehr schwere Megabrände.
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