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Politik Ausland
04/03/2020

Von Revoluzzer zum Präsidentenberater: Daniel Cohn-Bendit wird 75

In einem Interview zu seinem runden Geburtstag spricht der Deutsch-Franzose von einer „hyper-ängstlichen Zeitenwende“.

von Susanne Bobek

Am Samstag feiert der bekannte Politiker der deutschen und französischen Grünen runden Geburtstag. Ein Porträt über den Querdenken und überzeugten Europäer.

Der Sohn deutscher Eltern, die vor den Nazis nach Frankreich geflohen waren, ist bis heute nicht leise. In Deutschland wird der streitbare Publizist und Filmemacher ebenso gehört, wie in Frankreich. Dort gilt  der   deutsche Grünenpolitiker  und langjährige Europaabgeordnete der  deutschen und französischen Grünen  als Vertrauter von Emmanuel Macron. Mit ihm tauscht er  nach eigenen  Angaben regelmäßig SMS-Nachrichten aus.

Über Macron sagt er: „Ich kann ihm die härteste Kritik entgegenbringen, und er nimmt das immer an. Manchmal sagt er dann: ,Du spinnst’, oder ich sage: ,Du spinnst!’“ Dem Reformer Macron fehle die Erfahrung mit sozialen Bewegungen, glaubt Cohn-Bendit, der  diese Erfahrungen natürlich hat.

Er war Studentenführer während der 1968-er Revolte in Paris.

Mit seinem Freund Joschka Fischer , dem späteren deutschen Außenminister gründete er , nachdem er Frankreich verlassen musste die Gruppe „Revolutionärer Kampf“.

In dieser Zeit fand „das Kind der Befreiung“ die „Sexualität eines Kindes fantastisch“.  Cohn-Bendit wurde nach der Landung der Alliierten in der Normandie gezeugt, wie er stolz sagte. Seine umstrittenen Äußerungen über Intimitäten mit Kindern, für die er sich 2013 entschuldigte, sorgten für heftige Proteste.

Doch der hitzige Rhetoriker hat auch diese Krise gemeistert. Die Tageszeitung Le Monde nannte Cohn-Bendit einmal einen „besonderen Cocktail mit zwei Staatsangehörigkeiten“.

 Im Alltag haben für ihn der deutsche und der französische Pass  wenig Bedeutung: „Es ist mir völlig wurscht, welchen Pass ich ziehe. Vor drei Jahren war mein Visum für New York in meinem deutschen Pass“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Der glühende Europäer sieht in der weltweiten Corona-Pandemie eine „verheerende Symbolik“: „1968 war die Wirtschaft lahmgelegt. Alle waren draußen.“ Nun sei es umgekehrt: Alle seien drinnen. Die Pandemie läute seiner Einschätzung nach ein Wendejahr ein. Er spricht von einer  „hyper-ängstlichen Zeitenwende“.

Cohn-Bendit dreht  derzeit einen Film über seine jüdische Identität.  „Die jüdische Gemeinde in Frankfurt will ihn bei ihrem Filmfestival im Herbst zeigen, mit deutschen Untertiteln.“ In Frankreich solle der Streifen bei einem TV-Sender laufen, in Deutschland habe sich hingegen noch kein Sender gefunden.

Ein Leben ohne Politik und Fußball könne er sich nicht vorstellen.  Bei der Fußball-WM 1954 war er für Ungarn, 1974  für Holland. „Aber ich bin grundsätzlich immer für Frankreich und grundsätzlich immer gegen Deutschland, wobei mir der Nationalismus für „Les Bleus“ auf die Nerven gehen kann.“ Das sei so ein „Rest Irrationalität“ sagte er dem Spiegel.

Privat ist der ehemalige Sponti und Revoluzzer seit fast 40 Jahren in seine Frau Ingrid Apel verliebt.

Das Geheimnis dieser Beziehung sei, dass sie nie in die Öffentlichkeit getragen wurde.

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