Politik | Ausland
02.12.2016

Exzentrisches Raubein fürs Pentagon: "Verarscht ihr mich, töte ich euch"

Künftiger Präsident Trump berief Kriegshaudegen mit loser Zunge zum Verteidigungsminister.

Donald Trump liest nicht. Der künftige US-Präsident lässt lesen. Demnächst auch von James Mattis. Denn der designierte neue Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika besitzt eine Privat-Bibliothek mit 6000 Bänden. Aus dem Stand kann der pensionierte Vier-Sterne-General Shakespeare, den chinesischen Kriegshelden Sun Tzu, die Bibel und George Patton zitieren. Patton könnte den Ausschlag für seine neue Stelle gegeben haben.

Spitzname "Mad Dog"

Im Wahlkampf nannte Trump den legendären US-General, der Hitlers Nazi-Truppen im Zweiten Weltkrieg aus Nordafrika, Sizilien und Frankreich vertrieb, als sein Vorbild. Unberechenbar. Immer an vorderster Front. Keiner, der jedes Wort auf der politischen Goldwaage abschmeckt. So was gefällt Trump. Und darum gefiel ihm James Mattes.

Spitzname "Mad Dog", verrückter Hund. Oder "War Monk", Kriegsmönch. Gibt der Senat dem in Pullman im Westküsten-Bundesstaat Washington geborenen Strategen grünes Licht, kriegt das Pentagon eine absolut kampferprobte Spitze.

Der 66-Jährige, nicht verheiratet, keine Kinder, nahm schon früh die Armee zur Frau. Mit 19 kam er zu den Elite-Kämpfern der Marines, durchlief eine hochdekorierte Bilderbuch-Karriere, die ihn über Einsätze im Golf-Krieg, in Afghanistan und im Irak von 2010 bis 2013 zum Kommandeur des US-Zentralkommandos werden ließ, zuständig für die wichtigste Militär-Region der Welt, die sich von Ägypten bis nach Pakistan erstreckt.

Gemeinsam mit dem durch eine Sex-Affäre in Ungnade gefallenen General David Petraeus schrieb er ein viel beachtetes Handbuch zur Bekämpfung von Aufständischen, das millionenfach im Internet heruntergeladen wurde. Präsident Obama schob den NATO-erfahrenen Mattis trotzdem aufs Altenteil. Er opponierte ihm zu viel gegen den Umgang Amerikas mit der Terrormiliz "Islamischen Staat" (zu passiv, zu schwach) und den Atom-Deal mit dem Iran. Ein Land, das er für den mit Abstand unheilvollsten staatlichen Akteur im Mittleren Osten hält.

Politisch unkorrekt

James Mattis hat sich über die Truppe hinaus den Ruf eines hoch intelligenten, exzentrischen Raubeins erworben, zu dem politische Korrektheit passt wie eine schlecht sitzende Uniform. Seine Sinnsprüche, Mattisismen genannt, sind Legion. "Seid höflich, seid professionell. Aber habt einen Plan, jeden zu töten, den ihr trefft", gab er 2003 Soldaten im Irak mit auf den Weg. Zwei Jahre später sorgte er für einen Beinahe-Skandal, als er bei einer Podiumsdiskussion vor Soldaten gestand, "höllisches Vergnügen" daran zu haben, Feinde zu erschießen. "Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sich diese nicht verschleiert haben. Solche Leute sind eh keine richtigen Männer mehr. So macht es denn unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen", sagte Mattis. Irakischen Kriegsgefangenen trug er 2003 auf: "Ich komme in Frieden. Aber ich schwöre euch mit Tränen in den Augen: Wenn ihr mich verarscht, töte ich euch alle."

Ließ Dorf bombardieren

James Mattis gab 2004 den Befehl zur Bombardierung eines irakischen Dorfes an der Grenze zu Syrien. Dabei starben nach irakischen Berichten 41 Gäste einer Hochzeitsgesellschaft. Mattis konterte: "Das waren mehr als zwei Dutzend Männer im wehrfähigen Alter. Lassen sie uns nicht naiv sein."

Im Frühjahr 2016 galt Mattis in republikanischen Kreisen als Last-Minute-Alternative, um Trump zu verhindern. Mattis fühlte sich geschmeichelt, lehnte aber ab: Seine klare Sprache und dass er niemals etwas zurücknehme, machten ihn für das höchste Staatsamt ungeeignet.

Vor der Amtseinführung muss Mattis noch ein Handicap umschiffen. Das Gesetz schreibt vor, dass ein Verteidigungsminister vorher mindestens sieben Jahre außer Militär-Dienst gewesen sein muss. Mattis trat erst vor drei Jahren vom Posten des Central Command zurück. Er benötigt darum eine Sondergenehmigung durch den Kongress. Zuletzt hat es das vor mehr als 65 Jahren gegeben.