Paul Ryan

© APA/AFP/MANDEL NGAN

US-Wahl
10/10/2016

Ryan: "Ich werde Trump nicht verteidigen"

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses geht auf Distanz zum republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten. Dieser reagierte sogleich via Twitter.

Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, wird weder für Donald Trump in den Wahlkampf ziehen noch ihn verteidigen. Nach dem Skandal um sexistische Äußerungen von Donald Trump will Ryan, nicht mehr das Wort für den republikanischen Kandidaten ergreifen. Das sagte Ryan in einem Telefonat mit Abgeordneten, wie der Sender MSNBC und Politico berichteten.

"Ich werde Trump nicht mehr verteidigen."

"Ihr alle müsst tun, was am besten für euch und eure Bezirk ist," soll Ryan gesagt haben. Ryan erklärte außerdem: "Ich werde Trump nicht mehr verteidigen." Als Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist er der derzeit mächtigste Republikaner. Ryan kritisierte Trump in der Vergangenheit immer wieder, rang sich aber im Juni doch zur Unterstützung des umstrittenen Kandidaten durch.

Nach der Veröffentlichung eines Videos mit sexistischen Aussagen von Trump hatte Paul Ryan bereits am Samstag einen gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit Trump im US-Staat Wisconsin abgeblasen. Ryan zeigt sich stattdessen mit Trumps Vizekandidaten Mike Pence, berichten US-Medien.

Hat Ryan Präsidentenwahl abgeschrieben?

Wie ein Teilnehmer des Telefonats berichtete, kündigte der ranghöchste Amtsträger der Republikaner an, dass er sich nun voll darauf konzentrieren wolle, die Mehrheiten seiner Partei in Repräsentantenhaus und Senat zu verteidigen. Die kolportierten Äußerungen deuten darauf hin, dass Ryan das Rennen um das Weiße Haus offenbar schon abgeschrieben hat. Ryan wolle verhindern, dass Clinton als Präsidentin durch einen von den Demokraten kontrollierten Kongress einen "Blankoscheck" bekomme, hieß es.

Reaktion via Twitter

Die Reaktion von Trump ließ nicht lange auf sich warten. Trump meldete sich via Twitter: "Paul Ryan sollte mehr Zeit mit einem ausgeglichen Haushalt, Arbeitsplätzen und illegaler Einwanderung verbringen und sie nicht damit verschwenden, den republikanischen Kandidaten zu bekämpfen.“

Trump verliert noch weiter nach Video

Eine neue Umfrage gab unterdessen den unter den Republikanern grassierenden Sorgen neue Nahrung. Demnach verlor Trump nach der Veröffentlichung des heimlichen Mitschnitts aus dem Jahr 2005, in dem er auch mit sexuellen Zudringlichkeiten gegenüber Frauen prahlt, nochmals drastisch an Boden.

Clinton lag demnach bei 46 Prozent, Trump sackte auf 35 Prozent ab. Außerdem sagten 49 Prozent, sie wünschten sich die Kontrolle der Demokraten über den Kongress, nur 42 Prozent plädierten für die Republikaner. Die Umfrage des Fernsehsenders NBC News und der Zeitung Wall Street Journal fand allerdings noch vor dem TV-Duell statt.

Allerdings fielen auch die ersten Blitzumfragen nach der Debatte schlecht für Trump aus. Sie sahen Clinton mit mehr oder weniger deutlichem Vorsprung als Siegerin des Duells.

Kaum Chancen für Republikaner, Trump loszuwerden

Trump ist vielen hochrangigen Republikanern ein Dorn im Auge. Die republikanische Partei hat trotzdem kaum eine Chance, Donald Trump als Kandidaten los zu werden, dafür ist das eigene Regelwerk zu strikt.

Der Fall eines Ersetzens eines gewählten Kandidaten wird in Regel 9 der Republikaner-Satzung formuliert. Demnach können die 168 Mitglieder das National Committee der Republikaner den Kandidaten nur dann ersetzen, wenn er stirbt oder dahinsiecht. Allerdings wird auch der Passus "oder anderweitig" genannt, der vieles offenlässt. In der bisherigen Auslegung war damit lediglich der freiwillige Verzicht eines Kandidaten gemeint.

In den vergangenen Tagen hatte es vereinzelt Vorstöße von Republikanern gegeben, diese Regel neu zu fassen und sie explizit auch auf "mangelnde Eignung" eines Kandidaten zu richten. Dies ist jedoch nicht geschehen.

Zeit wird knapp

Hauptproblem für die Republikaner wäre der Zeitfaktor. Ein neuer Kandidat - etwa Vizepräsidentschaftsbewerber Mike Pence oder Parlaments-Vorsitzender Ryan - könnten kaum die in den 50 Staaten notwendige und häufig unterschiedlich gehandhabte Prozedur schaffen, um überhaupt wählbar zu werden.

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