Trotz Abkommen mit den USA greifen die Taliban immer wieder an

© APA - Austria Presse Agentur

Interview
08/17/2021

Feichtinger: „US-Waffen in Hand der Taliban sind sehr besorgniserregend“

Afghanistan könnte zu einem neuen sicheren Hafen für Terroristen werden, warnt Experte Walter Feichtinger.

von Elias Natmessnig

Der Ex-Militär und Sicherheitsexperte Walter Feichtinger über die Gefahren, die von den Taliban für Europa ausgehen.

KURIER: Hat Sie die rasche Machtübernahme der Taliban überrascht?

Feichtinger: Ja, ich war doch darauf eingestellt, dass es militärischen Widerstand geben wird, zumindest um die Hauptstadt Kabul herum. Dass man hier innerhalb von wenigen Tagen dem Feind alles überlässt, war doch sehr, sehr überraschend.

In Europa wächst die Sorge, dass Afghanistan wieder zu einem Terrorstaat wird. Berechtigt? Das kann man noch nicht so klar sagen. Bisher war es so, dass die Taliban keine Exporteure von Gewalt und islamistischen Terroristen waren. Das war die Al Kaida. Sie konnte sich unter den Taliban einnisten und dann die Terror-Aktivitäten außerhalb des Landes machen.

Die Taliban wurden ja auch deswegen gestürzt, weil sie das zuließen.

Ja, daher kann man davon ausgehen, dass die Taliban kein Interesse haben, dass sich islamistische Zellen bilden, die Terror im Ausland verüben, weil sie wissen, dass das weder die USA noch Russland oder China dulden werden.

Doch können sie das gegen die Zellen des IS und Al Kaida schaffen , die es im Land bereits gibt?

Das ist für mich fraglich. Das Land ist sehr zerfurcht, da gibt es bereits jetzt Räume, die die Taliban nicht kontrollieren können. Und das sind wieder die idealen „Safe Havens“, also sichere Häfen, für terroristische Organisationen wie Al Kaida oder „Islamischer Staat“.

Die USA haben die afghanische Armee mit modernen Waffen ausgerüstet, was passiert jetzt damit?

Das ist wirklich sehr besorgniserregend, weil wir können davon ausgehen, dass die in die Hände der Taliban fallen. Was wir daher erwarten können, sind unglaublich stark bewaffnete, moderne Taliban, die einmal ziemlich stark resistent gegen militärische Interventionen von außen sein werden.

Die Taliban haben sich in der Vergangenheit über Drogenexporte auch nach Europa finanziert. Wird das wieder aufleben?

Die Taliban müssen sich in Zukunft viel stärker finanzieren, als sie das bisher getan haben. Bisher mussten sie ihre Kämpfer und die Angehörigen irgendwie finanzieren. Aber jetzt sind sie plötzlich für den Staat zuständig, und es ist sehr fraglich, ob jetzt noch viel Geld in das Land fließt. Das heißt, die Taliban werden gar nicht anders können, als massiv Drogengelder einzuheben.

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