Selenskijs erster Medienauftritt nach Kriegsbeginn, um zu beweisen, dass er in Kiew ist und lebt

© APA/AFP/FACEBOOK/@Volodymyr Zelensky/-

Politik Ausland
04/29/2022

Um ein Haar hätten russische Agenten Selenskij zu Kriegsbeginn geschnappt

Zwei Mal entkam der ukrainische Präsident seinen Feinden nur ganz knapp, berichtet das Time Magazine.

Sirenengeheul in Kiew, Schüsse, Artilleriefeuer, erste Raketeneinschläge - 24. Februar am frühen Morgen, die russische Armee ist in der Ukraine eingefallen. Nur wenige Stunden danach hätte es mit der Freiheit und sogar dem Leben von Ukraines Präsident Wolodimir Selenskij schon vorbei sein können.

Nur ganz knapp konnten er und seine Familie den russischen Agenten, die ihn festnehmen sollten, entkommen. Die dramatischen ersten Stunden des Krieges, die sich in seiner Erinnerung eingebrannt haben, schilderte Selenskij nun dem US-Journalisten Simon Shuster vom Time Magazine.

"Überall Explosionen"

Als die Bombardierung begann, eilten der Präsident und seine Frau Olga, zu ihrer 17-jährigen Tochter und dem neunjährigen Sohn, und sagten ihnen, sich sofort auf die Flucht vorzubereiten. „Wir haben sie aufgeweckt“, schildert Selenskij dem US-Reporter, „es war so laut. Überall gab es Explosionen.“

Russische Fallschirmjäger und Sondertruppen waren da bereits in Kiew gelandet, um den Präsidenten und dessen Familie zu entführen, möglichweise sogar zu töten.

„So etwas haben wir doch zuvor nur in Filmen gesehen“, schildert auch Selenskijs Kabinettschef dem Time-Magazine.

Sicherheitskräfte brachten Selenskij, seine Familie und rund ein Dutzend seiner engsten Mitarbeiter in sichere Räume des Kiewer Regierungsviertels. Dort erhielten sie kugelsichere Westen, Selenskij und einige andere Männer bekamen ein Gewehr in die Hand gedrückt.

In der gesamten Umgebung wurde das Licht abgedreht, während draußen unaufhörlich geschossen wurde und sich der erste Kriegstag zu Ende neigte.

Kaum einer der Männer, die plötzlich eine automatische Waffe in der Hand hielten, wussten überhaupt, wie man sie bedienen sollte. Selenskij ebenso wenig. „Es war wie im Tollhaus, ein Maschinengewehr für jeden“, erinnert sich ein Mitarbeiter des Präsidenten.

Zwei Mal versuchten die russischen Sondertruppen das Präsidentengebäude zu stürmen, während sich Selenskij und seine Familie noch drinnen versteckten. Zwei Mal wurden die Angriffe abgewehrt.

In der folgenden Nacht kamen Angebote aus den USA und Großbritannien: Sie könnten Selenskij ausfliegen, und er könne danach eine Exilregierung im sicheren Ausland bilden.

Er lehnte ab. Selenskij weigerte sich auch, das Regierungsareal zu verlassen.

Kurz darauf sandte der ukrainische Präsident dann seine mittlerweile berühmt gewordene Twittermeldung: „Der Kampf ist hier; ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit!"

Erst da sei ihm bewusst geworden, sagt Selenskij, welche Rolle er im Krieg zu übernehmen habe. „Da habe ich verstanden, dass ich beobachtet und gesehen werde. Da wird man zu einem Symbol. Man muss so handeln, wie ein Staatschef handeln muss.“

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