Bringen Waffen den Dritten Weltkrieg? Deutschland im Emma-Dilemma

Alice Schwarzer hatte gegen die deutschen Waffenlieferungen angeschrieben
Eine Initiative um Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer sieht wegen der deutschen Waffenlieferungen den Atomkrieg heraufdräuen. Ukraine-Unterstützer, allen voran die Grünen, halten das für naiv und gefährlich - ein Generationenkonflikt mit Sprengkraft.

"Kriegstreiber! Kriegstreiber!“, schreien sie ihm entgegen. Olaf Scholz spricht laut, schreit fast, die Hände zu Fäusten geballt.

Dass der deutsche Kanzler am 1. Mai als Kriegshetzer beschimpft wird, damit hätte vor ein paar Wochen wohl keiner gerechnet. In Sachen Ukraine galt der SPDler lange zögerlich, sein Nein zu schweren Waffen brachte sogar die Ampelkoalition ins Wanken.

Seit er sich jetzt doch zur Lieferung einiger Panzern durchgerungen hat, kommt plötzlich Gegenwind von der anderen Seite. Eine Initiative um Frauenrechtsikone Alice Schwarzer fordert ihn nämlich auf, die Lieferungen wieder einzustellen: Das „könnte Deutschland selbst zur Kriegspartei machen“, argumentieren die 28 Unterzeichner in Schwarzers Zeitschrift Emma. Sie fürchten die „unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs“, der Westen liefere Putin „ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln“.

Wo steht Deutschland?

In Deutschland hat das eine Debatte vom Zaun gebrochen, die über die Frage „Waffen oder nicht?“ hinausgeht. Es geht um die Positionierung in der Welt – um die Identität, die sich das Land nach Kohl, dem Versöhner mit dem Osten, und Merkel, der Verwalterin dieses Erbes, geben will. Bleibt das Land der Riese, der sich aus historischer Verpflichtung stets zurückhielt? Oder wächst das Land in die Rolle auf der Weltbühne, die ihm seine globale Wirtschaftsmacht schon lange abverlangt?

Die Konfliktlinien werfen nicht nur das Parteiengefüge durcheinander, sie gehen auch entlang der Generationen. Diejenigen, die die Angst vor dem Atomkrieg aus dem Kalten Krieg kennen, stehen Nachgeborenen gegenüber, bei denen die Erpressung Putins keine Erinnerung mehr auslöst – und die das für schlichte Taktik halten. Man könnte sagen: Boomer gegen Millennials.

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