© APA/AFP/-

Politik Ausland
08/28/2021

Über geschlossene Grenzen: Wie Österreicher aus Afghanistan flohen

Ein Mitglied des österreichischen Krisenstabs vor Ort erzählte dem KURIER, wie man Österreicher mit allen Mitteln aus dem Land schleuste.

von Konrad Kramar

Nein, bitte keinen Namen in der Zeitung, und bitte keine geografischen Details über Routen und Grenzübergänge: Zu heikel ist die Arbeit, die die Mitarbeiter des österreichischen Krisenstabes für Afghanistan vor Ort zu leisten haben. Nur nicht zu viel Staub aufwirbeln an den Grenzen, über die man in den vergangenen Tagen Österreicher und Afghanen mit Aufenthaltsberechtigung in Österreich aus dem Land geschleust hat. Denn eigentlich sind diese Grenzen geschlossen – und sind trotzdem der einzig verbliebene Fluchtweg raus aus Afghanistan.

Pendeln mit der Bundeswehr

Über Tage sind die Mitarbeiter des österreichischen Krisenstabs gependelt: zwischen Taschkent im benachbarten Usbekistan, wo man das Hauptquartier eingerichtet hat, und dem Flughafen von Kabul. In Transportmaschinen der deutschen Bundeswehr hat man auch die Österreicher ausgeflogen. Etwa 100 Menschen sind so nach Usbekistan gelangt. Dort hat man sie betreut, ihre Papiere kontrolliert, sie schließlich in die Flieger Richtung Frankfurt gesetzt.

„Es waren viele Familien darunter, aber auch viele alleinreisende Frauen, oft mit Kleinkindern und sogar einem 4 Monate alten Säugling“, beschreibt der hochrangige Diplomat seine Schutzbefohlenen der vergangenen Tage. Anfangs hatten sich gerade einmal zwei Dutzend Menschen bei den österreichischen Behörden gemeldet, die um Hilfe bei der Heimkehr baten. Dann aber wurden es täglich mehr – und die Ausreise wurde täglich schwieriger.

Visa und Schutzbriefe

Seit Freitag fliegt die Bundeswehr nicht mehr. Wie die anderen EU-Staaten hat Deutschland die Evakuierung auf dem Luftweg eingestellt. Jetzt bleibt nur der Landweg – und der ist lang, mühsam und gefährlich. „Wir sind ständig in Kontakt mit den Behörden der Nachbarländer“, erzählt der Diplomat, „versuchen Einreisevisa für die Menschen zu organisieren, stellen Schutzbriefe aus, schauen, dass die Behörden an den Grenzen die Namen der Betroffenen kennen.“ Schließlich sind die Grenzen, egal ob nach Usbekistan, oder Pakistan, eigentlich geschlossen. Jede Ausnahme ein Drahtseilakt.

Familienclans

Ab der Grenze zum Nachbarland setzt also die Unterstützung des Krisenstabes ein. Bis dahin aber müssen es die Flüchtenden im Alleingang schaffen. Mit dem eigenen Auto, oder aber mit Reisebussen, die aus Kabul an die Grenze fahren, tagelang.

„Es ist bemerkenswert, wie gut organisiert die Menschen auch inmitten dieser Katastrophe sind“, schildert der Österreicher in Taschkent die Geschichten, die er in den letzten Tagen zu hören bekommen hat: „Es sind große Familienclans und da hilft man einander, in jeder Situation.“ Freude und Erleichterung wechseln da mit erschütternden Szenen an den Grenzen. Dann, wenn einer der Reisenden nicht auf der richtigen Liste steht, und die Gruppe die Entscheidung trifft: Alle oder keiner. Dann endet die Flucht aus Afghanistan schon an der Grenze.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.