Die Buddhas von Bamiyan festgehalten 1885

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Wissen Wissenschaft
08/28/2021

Als Afghanistan noch ein Sehnsuchtsort war

Kriege und Konflikte überschatten seit Jahrzehnten unser Bild von Afghanistan. Dabei war das Land einmal ein Traumziel. Auch Österreicher zog es dort hin.

von Susanne Mauthner-Weber, Manuela Eber

Sommer in den 1970ern: Ganze Familien klettern in ihre VW-Busse und brechen Richtung Osten auf. „Damals war Afghanistan für viele Westeuropäer ein Traumland. Vor dem kommunistischen Putsch war der Hindukusch besonders bei österreichischen Bergsteigern sehr beliebt“, erzählt Gabriele Rasuly. Die Afghanistan-Expertin und Kultur- sowie Sozialanthropologin der Uni Wien weiß auch, dass Busse auf dem ,Hippie trail’ von Amsterdam nach Indien verkehrten „und viele junge Leute in Afghanistan hängen blieben“. Es war die Zeit, in der in Bamiyan mit seinen imposanten Buddha-Statuen so etwas wie ein früher Tourismus entstand.

Heimische Forscher, hauptsächlich Ethnologen, haben im Laufe des 20. Jahrhunderts maßgeblich dazu beigetragen, dass Afghanistan kein Terra incognita mehr war, sagt Rasuly und erzählt. Zum Beispiel die Geschichte von Alfred Janata, der in Wien studierte und 1958 beschloss, nach Afghanistan zu gehen, um dort Sensen zu verkaufen.

 

Das Geschäftsmodell floppte zwar, seine Feldforschung über Westafghanistan aber nicht. Er etablierte sich als führender Experte für Land und Kultur und baute im Völkerkunde-Museum (heute Weltmuseum) die Afghanistan-Sammlungen auf – an die 2.500 Objekte.

Janata war ein Vorreiter. Als er Afghanistan entdeckte, gab es dort kaum westliche Wissenschafter. „Erst in den 1970er-Jahren starteten die Deutschen ein Entwicklungsprogramm und eine Flut von Forschern bekam Zugang, auch zu den ländlichen Gebieten“, erzählt Christine Nölle-Karimi, Afghanistan-Kennerin an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Österreicher in Afghanistan

Aus Österreich war Karl Wutt dabei und erforschte die „Architektur einiger Hindukusch-Täler“; Ludwig Adamec, österreichisch-US-amerikanischer Historiker, verfasste ein Who-is-Who des Landes, während Islamwissenschafterin Ingeborg Thalhammer-Baldauf usbekische Volkslieder in Nordafghanistan aufnahm.

Überhaupt: Afghanistan und die Musik! Bereits 1963 betrieb Österreich eine Musikschule in Kabul, an der auch Hermann Preßl ab 1966 lehrte. Rasuly: „Nebenbei hat er Beschreibungen der afghanischen Musik und Instrumente gesammelt. Wie Baldauf, stellte er die Tondokumente dem Phonogramm Archiv der ÖAW zur Verfügung.“

Afghanen in Europa

Wobei die Neugier auf das Fremde keine Einbahnstraße war. Nölle-Karimi berichtet, dass afghanische Herrscher im Gegenzug in den Westen kamen.

Der berühmte Reformkönig Amanullah etwa war in den 1920ern auf mehreren Europareisen, weil er sein Land modernisieren wollte.

Christine Nölle-Karimi | Afghanistan-Kennerin, ÖAW

Und hier kommt wieder ein Österreicher ins Spiel, zumindest, wenn man Legenden glauben will: Emil Rybitschka, geboren in der Monarchie, geriet während des Ersten Weltkrieges in russische Kriegsgefangenschaft. In Mittelasien interniert – dorthin kamen Habsburg-Untertanen, weil man von da genauso schwer fliehen konnte wie aus Sibirien – tat Rybitschka genau das: Er brach aus und schlug sich nach Afghanistan durch.

Fantasie-reich

Über seine Erlebnisse veröffentlichte Rybitschka 1927 ein Buch mit dem Titel Im gottgegebenen Afghanistan. Als Gäste des Emirs. „Es liest sich so, als wäre er die rechte Hand des damaligen Königs gewesen, und hätte ihn zu seinen Modernisierungen inspiriert“, erzählt Rasuly und meint, dass das aber wohl eher ins Reich der Fantasie gehöre.

Die Geschichte von Carl Ludolph Griesbach ist dagegen wahr: Geboren 1847 in Wien, studierte er Geologie, untersuchte die Bodenschätze in Afghanistan und stieg 1888 zum Geologen des Emir Abdur Rahman auf.

Keine 100 Jahre später haben kriegerische Auseinandersetzungen fast alle Verbindungen zerstört. Nölle-Karimi: „Als 1978 die Revolution begann, blieben nur ein paar Verrückte, die sich mit dem Land beschäftigten.“ Heute sind auch sie Geschichte.

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