Politik | Ausland
20.04.2018

Türkische Kriegspropaganda auch in deutschen Moscheen

In mindestens zehn islamischen Gotteshäusern sollen Kinder in Soldatenuniformen posiert haben. Islamverband DITIB in der Kritik

Nach der Affäre um Kriegsspiele in einer Moschee in Wien sind nun auch ähnliche Fälle in Deutschland bekannt geworden. Wie der WDR berichtet, haben auch Kinder in Moscheen in  Herford und in Mönchengladbach in Soldatenuniform posiert und Kriegsszenen nachgestellt. Sie sollen so gefallene osmanische Soldaten im Ersten Weltkrieg ehren.

Ähnlich wie in Wien die Szenen der "Kriegsspiele": "Wenn es dem Vaterland dient, opfere ich mein Leben", rief nach WDR-Recherchen etwa ein uniformierter Bub in einer vollen Halle in Stuttgart-Güglingen, vor Eltern und Gemeindemitgliedern. "Bereit zum Krieg", skandiert ein anderer Bub in Uniform mit Spielzeuggewehr in Duisburg. Die Szenen sind überall gleich. Sie stellen die Schlacht von Gallipoli im Jahr 1915 dar, aber auch Szenen vom Kampf um die syrische Stadt Afrin gegen Kurdenmilizen.

 

80 Fälle bekannt

Von "befremdlichen Aktionen" und "Widerspruch mit den demokratischen Werten" sprechen deutsche Politiker wie der Grüne Politiker Karl Sasserath. In rund 80 deutschen Gemeinden sollen ähnliche Gedenkveranstaltungen abgehalten worden sein. Die Fotos und Videos dazu zu finden in sozialen Netzwerken. In mindestens zehn Gemeinden sah man Kinder in Uniform, in anderen wurde die Militäraktion von Afrin von Erwachsenen verherrlicht.

Dennoch sprach die DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) zunächst von einem Ausrutscher. Der DITIB-Bundesverband habe die Verantwortlichen in Herford (jenem Ort, aus dem der erste Fall bekannt wurde) zum Rücktritt aufgefordert.

DITIB in der Kritik

Die DITIB ist der größte und wichtigste Islamverband in Europa. In Deutschland muss jede größere Muslimische Veranstaltung von der DITIB abgesegnet werden. Auch für staatliche Stellen war die DITIB lange der erste Ansprechpartner aus der muslimischen Gesellschaft. Sie hatte sich im vergangenen Jahr hinter Erdogans "Säuberungsaktionen" gegen mutmaßliche Anhänger seines Erzfeindes, des Predigers Fethullah Gülen, gestellt. Seither rücken staatliche Stellen immer mehr von dem Islamverband ab.