Chronik | Wien
18.04.2018

ATIB-Moschee: Kinder mussten als Leichen posieren

Bereits im Jahr 2016 wurden Schlachten mit Kindern nachgestellt. Diese spielten dabei auch tote Soldaten.

Die Affäre um die Kriegsspiele mit Kindern in einer ATIB-Moschee in der Wiener Dammstraße wird immer größer. Die Wiener Stadtzeitung Falter veröffentlichte am Mittwoch Fotos (hier geht es zum Artikel), welche belegen sollen, dass nicht nur heuer, sondern bereits im Jahr 2016 Schlachten mit Kindern nachgestellt wurden.

Die neuen Bilder zeigen Kinder, die tote Soldaten spielen, die mit türkischen Fahnen zugedeckt werden. Die Fotos stammen aus einer der größten Moscheen Wiens, dem Gotteshaus des zur türkischen Religionsbehörde gehörenden Vereins ATIB, der in Wien auch Kindergärten betreibt. Die Kinder mussten die Schlacht von Gallipoli aus dem Jahr 1915 nachstellen, ein Gemetzel, das die Türken im Ersten Weltkrieg gewonnen hatten.

IGGÖ distanzierte sich

Die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB) ist ein direkter Ableger des türkischen Amts für Religion und verfolgt die Linie der türkischen Regierung. Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) distanzierte sich offiziell von dem Spektakel. Die Optik sei nicht gut. Personelle Konsequenzen - der Präsident der Glaubensgemeinde, Ibrahim Olgun, ist selbst Vertreter der ATIB - blieben aber bisher aus.

Gudenus fordert Rücktritt von IGGÖ-Präsident

Die Rufe nach Konsequenzen werden jedoch immer lauter.  "Ibrahim Olgun ist selbst prominentes Mitglied des Vereins ATIB, der in Österreich als verlängerter Arm der türkischen Regierung fungiert und die IGGÖ beherrscht", sagte der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus am Mittwoch.

"Es ist völlig unmöglich, dass der Präsident von diesen mehrfach durchgeführten Umtrieben in der Wiener Moschee Dammstraße nichts wusste. Damit bestätigt sich auch meine Ansicht, dass die IGGÖ von türkischen Nationalisten und Islamisten durchsetzt ist. So etwas hat in Österreich keinen Platz und ist völlig inakzeptabel."

Gudenus, der auch geschäftsführender Landesparteiobmann der Wiener FPÖ ist, übt in diesem Zusammenhang außerdem heftige Kritik an der Wiener SPÖ. "Die SPÖ hofiert seit Jahren Vereine wie ATIB und ist dort regelmäßig auf Wählerfang. Da kann man nur mehr auf Goethes Zauberlehrling verweisen: Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los."

"Bund muss mehr tun"

Ganz anders sieht man das naturgemäß in der Wiener SPÖ. Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky sieht vielmehr "Kultusamt und der Verfassungsschutz sind dringend gefordert, die Aktivitäten von ATIB insgesamt zu überprüfen".

Der Kinder- und Jugendanwalt der Stadt habe bereits Mitte März in einem Brief an das Kultusamt eine Überprüfung von fragwürdigen Vorgängen in Moscheen verlangt, berichtete der Ressortchef: "Der Bund muss hier endlich mehr tun, um auch Hintergründe von Vereinen zu durchleuchten." Er habe "null Akzeptanz für jede Art der Indoktrination und Instrumentalisierung von Kindern", hielt Czernohorszky fest.