Politik | Ausland
24.01.2018

Massenflucht: Türkei weitet Syrien-Offensive aus

Der türkische Angriff in Syrien fordert Hunderte Tote und lässt Tausende fliehen

Vernichten werde er die kurdischen YPG-Milizen in Syrien hatte der türkische Präsident Erdogan vor einigen Tagen angekündigt, als seine Streitkräfte ihre Offensive eröffneten. Tatsächlich nimmt diese Offensive, genannt "Operation Olivenzweig" täglich größere Ausmaße an - ungeachtet internationaler Kritik. Nachdem man die Gebiete rund um Afrin nach massiven Artillerie- und Panzerangriffen weitgehend kontrolliert, plant die türkische Armee offensichtlich, die Offensive massiv auszuweiten. Wie Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu in türkischen Medien erklärte, werde man auch über den strategisch wichtigen Fluss Euphrat vorstoßen und die dortigen von Kurden kontrollierten Gebiete ebenfalls einnehmen.

Nach UN-Schätzungen sind rund 5000 Menschen aus der kurdischen Enklave Afrin in umliegende Dörfer geflohen. Weitere 1000 Menschen sind in Viertel der syrischen Stadt Aleppo vertrieben worden, die kaum eine Autostunde von Afrin entfernt liegt. Humanitäre Helfer zeigen sich besorgt über das Schicksal von rund 324 000 Menschen in der von der YPG kontrollierten Region.

Seit Beginn der türkischen Offensive wurden nach Angaben der Armee zahlreiche gegnerische Kämpfer getötet. Mindestens 260 „Angehörige von Terrororganisationen“ seien „neutralisiert“ worden, teilte der Generalstab in Ankara am Dienstagabend mit. Mit „neutralisiert“ ist im Sprachgebrauch türkischer Sicherheitskräfte in der Regel getötet gemeint, Eine Bestätigung der YPG zu diesen Zahlen lag nicht vor. Auf türkischer Seite gibt es nach offiziellen Angaben nur zwei Tote. Die Armee betonte, die Operation richte sich ausschließlich gegen Terroristen. Man unternehme alle Anstrengungen, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Türkische Berichte über IS-Terroristen in Afrin weist die YPG als blanke Lügen zurück.