Erdoğans neuer Finanzminister hat den Rettungsring ausgeworfen

Erdoğans neuer Finanzminister hat den Rettungsring ausgeworfen
Die türkische Zentralbank erhöht den Leitzins von 8,5 auf 15 Prozent. Warum das aber nur der Anfang im Kampf gegen die Inflation sein kann.

Im Wahlkampf war die Zwiebel zu ungewolltem Ruhm gekommen: Die Opposition nutzte sie symbolisch für die hohe Inflation und schlechte wirtschaftliche Lage im Land – weil das Grundnahrungsmittel für Teile der Bevölkerung zeitweise nicht mehr leistbar war, sich der Preis für einen Kilo in zwei Jahren verneunfacht hatte.

Seit ein paar Monaten sinkt die Inflation, die im Vorjahr bei teilweise 85 Prozent lag, zwar leicht (Mai 2023: 39,6 Prozent). Doch dass Präsident Recep Tayyip Erdoğan irgendwann von seiner Niedrigzinspolitik, die er jahrelang entgegen aller marktliberalen Lehrbücher geführt hat, absehen muss, um die Türkei und ihre Bevölkerung vor einem wirtschaftlichen Kollaps zu bewahren, schien unumgänglich. Am Donnerstag kam dann die von vielen Ökonomen lang ersehnte Entscheidung: Die türkische Zentralbank werde den Leitzins von 8,5 auf 15 Prozent anheben, kündigte die neue Notenbank-Chefin Hafize Gaye Erkan an.

Seit der Ernennung von Mehmet Şimşek zum neuen türkischen Finanzminister war damit gerechnet worden: Şimşek war schon einmal Wirtschafts- und Finanzminister, zuletzt sogar stellvertretender Regierungschef unter Erdoğan, und gilt als orthodoxer, rationaler Ökonom, der das Vertrauen der Finanzmärkte genießt – und sich traut, Erdoğan auch mal zu widersprechen.

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