Trump mischt mit rassistischen Attacken jetzt schon den Vorwahlkampf auf

 

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Politik Ausland
07/15/2019

Trumps Wahlpoker mit den "weißen" Latinos

Der US-Präsident schürt rassistische Aggression. Warum sich viele US-Latinos auch von Ausländerfeindlichkeit nicht abschrecken lassen.

von Konrad Kramar

Es ist der Inbegriff der rassistischen Beleidigung – entsprechend groß war die öffentliche Verstörung, die Donald Trump auslöste. Der Präsident hatte einigen demokratischen US-Abgeordneten, die aus Einwandererfamilien stammen, über Twitter ausrichten lassen, dass sie sich doch nach Hause verabschieden sollten, wenn es ihnen in den USA nicht passe.

"Ein Präsident, der Rassist ist"

Im Brennpunkt der Attacke, Alexandra Ocasio-Cortez, der junge Star des linken Flügels der Demokraten, deren Eltern aus Puerto-Rico stammen. „Wir haben einen Präsidenten, der Rassist ist – und das müssen wir offen aussprechen“, meldete sich der demokratische Präsidentschaftswerber Bernie Sanders zu Wort.

Trump facht das Feuer des Rassismus an“, urteilte die New York Times, derart brutal habe das kein US-Präsident seit 100 Jahren gemacht. Nach den jüngsten Drohungen, illegale Ausländer aus dem Land zu werfen und dem brutalen Vorgehen gegen Einwanderer an der Grenze wirkt das nur wie der nächste Schritt des Präsidenten in seiner Politik: Einwanderer aus Lateinamerika werden zu Feindbildern stilisiert.

„Ein weißes Amerika“

Trump, so analysieren Experten, versuche die US-Gesellschaft kompromisslos zu spalten: In ein weißes Amerika und ein multi-ethnisches, multi-kulturelles mit seinen Wurzeln im Ausland. Die zweite Gruppe, so die Botschaft, sei eigentlich nicht willkommen.

Im bereits heftig angelaufenen US-Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl 2020 sollte Trumps rassistische Schlagseite eigentlich den Demokraten einen Trumpf liefern. Traditionell sind die Latinos, also US-Bürger mit persönlichem oder familiärem Hintergrund in Lateinamerika, mehrheitlich Wähler der Demokraten. Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 etwa entschieden sich gerade einmal 29 Prozent der Latino-Wähler für Donald Trump, alle anderen waren im Lager der Demokratin Hillary Clinton. Noch stärker bemerkbar, der Trend bei den US-Kongresswahlen im Vorjahr. Nicht nur stieg die Wahlbeteiligung der Latinos an, deren Stimmen hätten um Haaresbreite für ein politisches Erdbeben gesorgt. In Texas, seit Jahrzehnten eine Hochburg der Republikaner, kam der demokratische Kandidat Beto O’Rourke ganz knapp an den republikanischen Amtsinhaber heran.

„Weiße“ Latinos

Erwacht also der „schlafende Gigant“, wie die Latino-Wähler in den USA genannt werden? Schließlich gilt die Bevölkerungsgruppe traditionell als eher politisch desinteressiert. Sollte es den Demokraten also gelingen, die Latinos 2020 zu den Wahlurnen zu bringen, könnte ihnen das den Sieg bringen, mutmaßt etwa die Washington Post: „Dass Trump Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zur wichtigsten Botschaft für seine weiße Kernwählerschicht macht, könnte die stärkste Waffe der Demokraten sein.“

Doch so einfach ginge diese Rechnung nicht auf, analysieren skeptische Meinungsforscher. Die Latinos – ein Gutteil ist illegal im Land und daher nicht wahlberechtigt – umfassen in den USA gerade einmal elf Prozent der Wähler. Je länger die im Land sind und je besser sozial gestellt, desto unwichtiger wird die Identität als Latino. Ein Viertel der Bevölkerungsgruppe bezeichnet sich inzwischen selbst als „weiß“. Dort holt sich auch Trump seine Wähler, ganz egal ob er nun Ausländer abschiebt oder Mauern baut – und das sind unter den Latinos laut jüngsten Umfragen trotz allem 30 Prozent. 2016 reichten ihm 29 Prozent für den Wahlsieg.

Auf der Flucht aus Mittelamerika

Die Zahl von Flüchtlingen aus Mittelamerika in die USA ist in den letzten Jahren um mehr als 200 Prozent angestiegen. Allein in diesem Jahr sind bisher 600.000 Menschen in die USA gelangt, mehr als 80 Prozent haben dort um Asyl angesucht. Die Mehrheit sind Familien mit Kindern, da diese nach US-Einwanderungsgesetz bevorzugt behandelt werden, auch die Zahl an allein reisenden Minderjährigen ist dramatisch angestiegen. Die Auffanglager an den US-Grenzen waren über Wochen komplett überfüllt, die Behörden überfordert.

Guatemala

Das Land mit seinen 17 Millionen Einwohnern ist geprägt von politischer Instabilität und Korruption. Die Präsidentenwahl vor wenigen Wochen war überschattet von Vorwürfen von Wahlmanipulation, rechtlicher Willkür und Missbrauch von Spendengeldern. Das Land stellt den größten Teil aller Auswanderer in die USA. Eine seit Jahren grassierende Dürre hat ganz Mittelamerika, aber besonders den Westen Guatemalas getroffen und die Auswanderung beschleunigt.

 

El Salvador

Das kleinste Land Mittelamerikas mit 7 Millionen Einwohnern ist bis heute gezeichnet von den Folgen des Bürgerkriegs, der in den 1990er-Jahren endete. Das Land ist gezeichnet von Bandenkriminalität, hat die höchste Mordrate und die höchste Frauenmordrate weltweit und zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Die Banden wie Mara Salvatrucha werden von Heimkehrern aus den USA kontrolliert. Der gerade gewählte Präsident Nayib Bukele verspricht Kampf gegen die Kriminalität.

 

Honduras

Das größte Problem des Landes mit seinen 9 Millionen Einwohnern ist die Bandenkriminalität. Die Banden, die meist von Heimkehrern aus den USA kontrolliert werden, rekrutieren mit Gewalt Kinder aus Armenvierteln. Sie kontrollieren den Handel mit Drogen und Waffen, aber auch den Menschenschmuggel. 80 Prozent der Bewohner leben unter der Armutsgrenze, die Mordrate zählt zu den höchsten der Welt.

 

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