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Politik Ausland
09/03/2021

Trumps "Krieger" ganz kleinlaut

Der bei der Kapitol-Erstürmung bekannt gewordene "Bison"-Mann bekannte sich schuldig. Vom Ex-Präsidenten fühlt er sich reingelegt.

von Dirk Hautkapp

Bei der von Ex-Präsident Donald Trump inspirierten gewaltsamen Erstürmung des Kapitols in Washington durch marodierende Anhänger am 6. Januar stach ein Akteur besonders ins Auge: Jacob Chansley. Trotz eisiger Temperaturen war der 33-Jährige mit nacktem, tätowiertem Oberkörper, pelziger Kopfbedeckung samt Bison-Hörnern, bemaltem Gesicht und Speer inklusive US-Flagge an der Herzkammer der US-Demokratie aufgetaucht.

Gemeinsam mit „anderen Patrioten“ und ausdrücklich auf „Bitten des Präsidenten“, wie er später zu Protokoll gab. Wozu? Um die Anerkennung des Wahlsieges von Joe Biden in letzter Minute zu verhindern.

Im TV geprahlt

Als „Schamane“ mit enger Verbindung zum Verschwörungskult QAnon, der die Demokraten für Pädophile hält und Trump für den Weltenretter, posierte der Mann aus Phoenix/Arizona bereitwillig für Fotos. Vor jeder erklärte er den Widerstand gegen den Wahlbetrug zu Lasten Trumps zur Bürgerpflicht.

In einem Fernseh-Interview mit dem Sender NBC prahlte er mit seiner Teilnahme an dem letztlich gescheiterten Umsturzversuch, der mehrere Todesopfer nach sich zog und Hunderte Parlamentarier in Angst versetzte: „Die Tatsache, dass ein Haufen unserer Verräter im Amt sich verbarrikadierte, Gasmasken aufsetzte und sich im unterirdischen Bunker zurückzog, halte ich für einen Sieg.“ Von diesem Selbstbewusstsein war am Freitagmittag in einer per Video ausgetragenen Gerichtsverhandlung unter Leitung von Richter Royce Lamberth in Washington nichts mehr zu spüren.

„Plea Deal“

Nach fast acht Monaten Haft bekannte sich Chansley in zentralen Anklagepunkten – Störung eines offiziellen Akts im Parlament – kleinlaut für schuldig. Vorher hatte er, um das Strafmaß zu senken, in einen „plea deal“ mit der Staatsanwaltschaft eingewilligt. So bleibt ihm ein Prozess erspart. Das Urteil wird am 17. November verkündet. Prozessbeobachter rechnen mit einer Gefängnisstrafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren.

Chansley war einer der wenigen, die es nach der Erstürmung des unzureichend gesicherten Kongressgebäudes in die Kammer des Senats geschafft hatten.

Am Pult des damaligen Vorsitzenden, Vizepräsident Mike Pence, hinterließ der Schamane eine schriftliche Notiz, die Ermittler als veritable Drohung auffassten: „Es ist nur eine Frage der Zeit, Gerechtigkeit kommt.“

Pence sollte damals auf Drängen von Trump die formale Anerkennung des Biden-Wahlsieges im Kongress hintertreiben. Weil er sich weigerte, denunzierte Trump seinen Stellvertreter öffentlich als schwach. Trumps Anhänger skandierten nach der Erstürmung, dass man Pence deswegen dingfest machen und töten solle.

„Ein höheres Wesen“

Am Tag nach der bisher schwersten Attacke auf die US-Demokratie stellte sich Chansley, der unter dem Alias-Namen Jake Angeli bekannt war, den Behörden. Dem FBI sagte der zuletzt in Arizona gemeldete Mann, er sei ein „Außerirdischer und höheres Wesen“. Gefängnis-Psychologen stellten fest, dass Chansley an diversen psychischen Erkrankungen leidet: vorübergehende Schizophrenie, Bipolarität, Depressionen und Angst.

Von Unzurechnungsfähigkeit war allerdings nicht die Rede.

Während der Inhaftierung sei Chansley radikal geläutert, sagte sein Anwalt. Vom QAnon-Kult habe er sich distanziert. Von Ex-Präsident Donald Trump fühle er sich reingelegt. Hintergrund: Chansley hatte Trump um Begnadigung gebeten und sich mit den Machtbefugnissen des Ex-Präsidenten verkalkuliert.

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