Trauer um EU-Parlamentspräsidenten: "Sassoli war de facto ein Gefangener von Corona"

EU-Parlamentspräsident David Sassoli (65) starb in der Nacht auf Dienstag
Die Pandemie ließ dem überraschend verstorbenen Chef des EU-Parlaments kaum politischen Handlungsspielraum. Er wollte länger im Amt bleiben, doch seine Nachfolgerin stand bereits fest.

"Kurz vor Weihnachten, da haben wir zusammen im Hof des Europäischen Parlaments in Straßburg das Friedenslicht von Bethlehem übernommen. Im Nachhinein betrachtet ist das fast symbolisch – denn es war das letzte Mal, dass ich David Sassoli gesehen habe", erinnert sich Othmar Karas.

Schon damals sei es dem Präsidenten des EU-Parlaments sichtlich nicht mehr gut gegangen, schildert Karas, einer der Vizepräsidenten des Hauses, dem KURIER.

In der Nacht auf Dienstag ist der 65-jährige Italiener in einem Spital in Aviano gestorben.

Ein Strahlemann oder ein lautstarker, mit einem Übermaß an Selbstbewusstsein ausgestatteter Präsident wie sein Vorgänger – Antonio Tajani, ebenfalls ein Italiener – war Sassoli nie. Eher zufällig war der sozialdemokratische EU-Abgeordnete im Sommer 2019 ins Amt des Präsidenten gehievt worden. Machtkämpfe zwischen EU-Regierungen, Parlament und Kommission taten damals eine Lücke auf.

Und niemanden mehr als Sassoli selbst überraschte es, dass der frühere italienische TV-Journalist diese Lücke plötzlich füllen sollte.

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