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Politik | Ausland
05/05/2019

Südafrika: Der Rassenwahn ging bis in die Schlafzimmer

Das unglaubliche Leben des US-TV-Stars Trevor Noah: Seine Geburt war Folge eines Verbrechens.

Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1927 und heißt „Immorality Act“: Jeder europäische Mann, der mit einer eingeborenen („native“) Frau Geschlechtsverkehr hat, und jede europäische Frau, die das mit einem eingeborenen Mann tut, begeht ein Verbrechen und ist mit bis zu fünf Jahren Gefängnis zu bestrafen. Die Eingeborenen bekommen nur bis zu vier Jahren.

Trevor Noah kam am 20. Februar 1984 in Johannesburg, Südafrika, auf die Welt, seine Mutter war eine Xhosa, der Vater Deutsch-Schweizer. Die Geburt gemischter Babys war nicht selten, aber dennoch Folge eines Verbrechens. So heißt Noahs Buch in der Originalfassung „Born a crime“. Ab 1948 musste jeder offiziell einer Rasse angehören – weiß, schwarz, asiatisch oder eben gemischt – coloured.

 

Die vollen Rechte hatten nur die Weißen, und Kinder wie Trevor wurden schief angesehen. Es dufte sie ja eigentlich nicht geben. Auf die vielen unterschiedlichen einheimischen Völker und Sprachen wurde keine Rücksicht genommen. Wie verlogen Rassismus ist, zeigte sich an der Einordnung der Japaner – sie galten als Weiße. Klar, Japan war ein wichtiger Handelspartner. Chinesen hingegen galten als coloured. Heute wäre es wohl umgekehrt.

Die Eltern von Babys wie Trevor Noah gingen oft ins Ausland, Trevors Mutter Patricia aber war eine sehr selbstbewusste Frau, sie wollte ihr Kind in ihrer Heimat großziehen. Mit einem großen Glauben an einen christlichen Gott. Viermal die Woche ging sie in eine Kirche, auch in eine weiße. Dort waren die Kinder Gottes gleichberechtigt, eine Stunde lang.

Keine Ausbildung erlaubt

Zusammen wohnen durften sie nicht. Die Weißen hätten die Schwarzen am liebsten ganz aus ihrer Umgebung verbannt, aber wer hätte dann die Arbeit gemacht? So entstanden die Townships, das größte war Soweto bei Johannesburg, wo auch Patricia Nombuyiselo, Trevor Noahs Mutter, herkam. Ein riesiges Gelände ohne asphaltierte Straßen, ohne Infrastruktur, ohne offizielle Geschäfte – und fast ohne Väter. Viele waren weit weg in einer Mine, auf einem Feld oder im Gefängnis.

Und weil die Weißen allen anderen Bevölkerungsgruppen in Südafrika auf Dauer jede Chance auf ein besseres Leben nehmen wollten, durften diese auch keine ordentliche Schulbildung mehr bekommen. Nelson Mandela, der 1918 geboren wurde, konnte noch in eine Missionarsschule von Methodisten gehen. Im Jahr 1953 wurde mit der „Bantu Education“ festgelegt, dass Schwarze nicht zu viel wissen und vor allem auf körperliche Tätigkeiten vorbereitet werden sollten.

Trevor Noah hatte Glück. Seine Mutter drängte auf eine ordentliche Ausbildung, und mit dem Ende der Apartheid wurde der Zugang zu höheren Schulen leichter.

Eine weitere Auswirkung der Apartheid beschreibt Trevor Noah sehr eindringlich: Die Weißen taten alles dafür, den Zank unter den verschiedenen Volksgruppen mit ihren vielen Sprachen und Traditionen zu schüren. Das hatte nach der Demokratisierung Auswirkungen auf das politische System, bis heute.

Star der Daily Show

Als Gastgeber der politisch-satirischen Daily Show sorgt Trevor Noah von den USA aus für Unterhaltung, aber der Kampf gegen Rassismus bleibt sein Thema. Bei seinem ersten Auftritt vor vier Jahren sagte er: „Ich habe nie gedacht, dass ich in den USA mehr Angst vor der Polizei haben würde als in Südafrika.“

Noahs Buch hat auch witzige Passagen, wenn er etwa Gespräche mit seiner Mutter wiedergibt. Er kritisiert aber, dass die Grausamkeiten der Apartheid bis heute weder aufgearbeitet werden noch in den Schulen darüber gesprochen wird.