Lernen von den Spaniern: Wie man eine Hitzewelle übersteht
Den ersten großen Waldbrand des Jahres hat Südspanien bereits hinter sich. 177 Hektar fielen den Flammen zum Opfer, 600 Soldaten und Feuerwehrleute waren im Einsatz. Auch in der Hauptstadt Madrid rütteln die Nachrichten auf, sie wecken Erinnerungen an den letzten Sommer und schüren die Sorge darüber, was wohl dieses Jahr passieren wird.
Aktuell gilt aufgrund der extrem hohen Temperaturen für weite Teile Spaniens eine Hitzewarnung. Die spanische Wetterbehörde Aemet rief zu Beginn der Woche die höchste Alarmstufe Rot für Gebiete rund um die südspanische Stadt Córdoba sowie für Bilbao und Teile der nordspanischen Region Kantabrien aus. In einigen Regionen werden Höchstwerte von bis zu 44 Grad erwartet
2025 war für Spanien die schlimmste Brandsaison seit Aufzeichnungsbeginn. Laut der EU-Klimabehörde Copernicus wurden im Vorjahr mehr als 390.000 Hektar vernichtet. Tausende Feuerwehrleute waren wochenlang im Einsatz.
Doch die Hitzewellen fachten nicht nur die Feuer an, sie wurden auch zur tödlichen Gefahr im Alltag: In Andalusien starben schon Anfang Juni ein 22-Jähriger und eine 61-Jährige bei der Arbeit auf der Straße an Hitzschlägen. Landesweit wurden fast 4.000 Todesfälle mit den hohen Temperaturen in Verbindung gebracht – 87,6 Prozent mehr als noch 2024.
Im Rest des Landes werden die Madrilenen belächelt
Wie kann man sich schützen, wenn die Temperatur auf über 40 Grad steigt? "Oft denkt man am Morgen, dass frische Luft durch die Wohnung zieht, dabei ist es draußen schon wärmer als drinnen", sagt Juan José Fatás. Lachend erinnert sich der 42-Jährige an einen windigen Sommerspaziergang: "Da wusste ich wieder, wie es sich anfühlt, wenn man sich ins Gesicht föhnt." Er empfiehlt, die Fenster früh zu schließen und bis spät in die Nacht nicht zu öffnen.
Im Rest des Landes werden die Madrilenen gerne belächelt, weil sie nicht braun gebrannt sind. Das liegt daran, dass sie im Sommer wie Vampire leben. Den Tag verbringen sie in dunklen, kühlen Räumen. Klimaanlagen werden immer wichtiger – nicht nur im Büro.
Die 35-jährige Marina war im letzten Sommer in Karenz. Mit ihrem Sohn verbrachte sie die heißen Tage in Einkaufszentren. "Alleine kann ich mich den ganzen Tag in der Wohnung verbarrikadieren, aber das Kind will raus. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: klimatisierte Geschäfte oder ein Pool." Spielplätze sind im Sommer keine Option. Sie verwandeln sich unter der sengenden Hitze regelrecht in Bratpfannen.
Am heißesten ist es in Madrid gegen 19 Uhr. Erst danach sind Aktivitäten möglich. Nachbarn treffen sich auf Grätzelfesten oder auf den Terrassen von Restaurants. Auch Kinder sind bis spät in die Nacht dabei.
Ein Mann rät zu Socken in Sandalen
In Zentralspanien ist das Klima besonders trocken. So trocken, dass man die Wäsche praktisch simultan auf- und abhängen kann. Für Paula Tena gehört die kalte Dusche morgens und abends zur Sommer-Routine. Zwischendurch wäscht sie sich mehrmals die Füße, um die Körpertemperatur zu regulieren. "Man muss sich auf die Hitze mental vorbereiten", sagt die 35-Jährige. Denn während der heißen Tage sei es kaum möglich, normal zu funktionieren: "Man ist müde, träge und schlecht gelaunt."
Das Hitzetelefon 0800/880-800 ist aus ganz Österreich kostenlos erreichbar
(Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr; Samstag von 8 bis 20 Uhr; Sonntag von 8 bis 18 Uhr)
Tipps gegen die Hitze:
- Genug trinken: zwei bis drei Liter pro Tag, bei körperlicher Belastung mehr.
- Sonnencreme verwenden
- Auf die Ernährung achten: Gedünstetes Gemüse, Getreidesalate aus Bulgur, Couscous oder Hirse, Tofu-Spieße oder Suppen sind ideal.
- Wohnung kühl halten: Wer ohne Klimaanlage in der Wohnung auskommen muss, sollte tagsüber die Fenster schließen und die Räume verdunkeln.
- Körper und Kleidung: Füße in kaltes Wasser halten, ein feuchtes Tuch in den Nacken legen. Bei der Kleidung sollte man auf Leinen, Baumwolle oder Seide setzen. Diese Stoffe sind atmungsaktiv, nehmen Feuchtigkeit auf und fördern die Luftzirkulation, was zu einer natürlichen Kühlung führt.
- Direkte Sonne meiden: Besonders zwischen 11 und 17 Uhr möglichst im Schatten bleiben und körperliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Körperliche Anstrengung reduzieren: Sport und schwere körperliche Arbeit möglichst vermeiden oder auf kühlere Tageszeiten verschieben.
- Kopf schützen: Im Freien einen Hut, eine Kappe oder ein Tuch tragen.
Um dennoch produktiv zu sein, braucht es Ventilatoren. Auch Fächer sind beliebt wie eh und je. Vor allem für die Fahrt in der Metro. Man bewegt sich im Schatten und trägt Kleidung, die hell und weit ist, aus Leinen oder Baumwolle. "Und Socken in Sandalen", sagt der 35-jährige Guillermo: Der Schweiß ruiniere die Schuhe, erklärt er lachend und bedankt sich bei den Touristen, die den Trend vorgemacht haben.