Flughafen Kabul

© APA/AFP/WAKIL KOHSAR

Politik Ausland
08/22/2021

Gefahr eines IS-Anschlags am Flughafen Kabul ist "akut"

Einem aus Deutschland abgeschobenen Straftäter ist es angeblich gelungen, mit einem Evakuierungsflieger wieder einzureisen.

Die US-Regierung hat Medienberichte über die Gefahr eines Anschlags der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) am Flughafen Kabul oder in der Umgebung bestätigt. "Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Sonntag im Sender CNN. Eine Woche nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan versuchen die Taliban das Chaos um den Kabuler Flughafen nach wie vor in den Griff zu bekommen.

"Wir arbeiten intensiv mit unseren Geheimdiensten zusammen, um herauszufinden, woher ein Angriff kommen könnte", sagte Sullivan. Man nehme die Warnungen "absolut todernst". Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

NATO spricht von 20 Toten am Flughafen

Im Gedränge rund um den Flughafen nach Angaben der britischen Regierung sieben Menschen ums Leben gekommen. „Unsere Gedanken sind bei den Familien von sieben afghanischen Zivilisten, die tragischerweise in der Menge in Kabul gestorben sind“, heißt es in einem Statement des Verteidigungsministeriums. Die NATO berichtet von mindestens 20 Toten seit Sonntag. "Unser Fokus ist die Evakuierung aller Ausländer so schnell wie möglich", sagt ein Sprecher.

Baby kam im Evakuierungsflieger zur Welt

Eine afghanische Frau hat an Bord eines US-Evakuierungsflugzeugs ein Baby zur Welt gebracht. Ihre Wehen und zusätzliche gesundheitliche Beschwerden setzten auf dem Weg zum US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland ein, wie das Transportkommando der US-Luftwaffe am Sonntag mitteilte. Ihr Zustand habe sich verbessert, nachdem die C-17-Transportmaschine niedriger flog und der Luftdruck im Flugzeug sich dadurch erhöhte. Das Manöver habe geholfen, ihr Leben zu retten.

20.000 Menschen wurden ausgeflogen

Die US-Streitkräfte brachten nach Angaben des Pentagons seit Beginn ihrer Mission am Samstag vergangener Woche 17.000 Menschen über die Luftbrücke in Sicherheit.  Die Bundeswehr teilte am späten Samstagabend mit, sie habe inzwischen mehr als 2130 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Auch andere Nationen wie Australien holen ihre Leute zurück. Einem aus Deutschland abgeschobenen Straftäter ist es übrigens laut Berichten von Welt gelungen, mit einem Evakuierungsflieger wieder einzureisen.


Die vielen Menschen, die sich zum Flughafen durchgekämpft haben, sind oft dehydriert und verzweifelt gewesen, berichten Korrespondenten.

In Kabul geht das Geld aus

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan geht den Menschen zunehmend das Bargeld aus. Einwohner Kabuls berichteten der Deutschen Presse-Agentur, die Bankomaten in der Stadt seien praktisch leer. Banken und auch der Geldwechslermarkt seien seit einer Woche geschlossen. „Alle in der Stadt beschweren sich mittlerweile, dass sie kein Geld abheben können“, sagte ein Bewohner.


Ein Mann sagte dem lokalen TV-Sender ToloNews, seine Bank habe zudem eine Obergrenze für Abhebungen eingeführt. Wenn denn ein Bankomat doch noch befüllt sei, könne man nur 10.000 Afghani (umgerechnet rund 100 Euro) abheben. Viele machen sich Sorgen, dass sie angesichts der aktuellen Krise überhaupt nicht mehr an ihr Geld kommen.

UNO warnt vor „humanitärer Katastrophe"

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnt angesichts der Entwicklung in Afghanistan vor einer „humanitären Katastrophe“. Die Afghanistan-Direktorin des Programms, Mary-Ellen McGroarty, fordert eine enge Abstimmung innerhalb der internationalen Gemeinschaft. „Andernfalls wird sich eine ohnehin schon schreckliche Situation zu einer absoluten Katastrophe entwickeln“, sagt die UN-Vertreterin der britischen Sonntagszeitung The Observer. Das WFP schätzt, dass von den etwa 38 Millionen Menschen in Afghanistan heute schon 14 Millionen nicht genug zu essen haben. Das Land wird auch von einer schweren Dürre geplagt.

Helfer wollen bleiben

Der Großteil der humanitären Helfer will seine Arbeit in Afghanistan auch nach der Machtübernahme der Taliban fortsetzen. Alle Organisationen der Vereinten Nationen, wie etwa das Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), wollen nach Informationen der „Welt am Sonntag“ weiter in dem krisengebeutelten Land bleiben. Nach Angaben des UNO-Informationsbüros in Genf handle es sich dabei um etwa 300 ausländische und rund 3.000 einheimische Mitarbeiter.

Afghanistan Sondergipfel

Der angekündigte Sondergipfel der G7-Staaten zur brisanten Lage in Afghanistan soll an diesem Dienstag stattfinden. „Ich werde die Staats- und Regierungschefs der G7 am Dienstag zu dringenden Gesprächen über die Lage in Afghanistan einberufen“, twitterte der britische Premierminister Boris Johnson am Sonntag. Großbritannien hat derzeit den Vorsitz in der Runde der führenden westlichen Industrienationen inne. Es wird ein virtueller Gipfel sein.

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