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Politik Ausland
08/07/2020

Seit 1984 alle Präsidenten richtig getippt: US-Historiker sagt Trump "Erdbeben" voraus

Geschichts- und Politikprofessor Allan Lichtman hat immer recht gehabt - auch bei Trumps Wahl 2016. Jetzt prognostiziert er den Sieg von Demokrat Joe Biden.

von Dirk Hautkapp

Als Donald Trump 2016 gegen die Erwartung der meisten Meinungsforscher Präsident der USA wurde, bedankt er sich gönnerhaft bei Allan Lichtman. „Gratuliere, Professor – gute Entscheidung.“ Der kleine, drahtige Mann, der seit fast 50 Jahren an der American University in Washington Geschichte lehrt, hatte den Sieg des Rechtspopulisten anhand eines aus 13 Schlüssel-Faktoren bestehenden Modells vorhergesagt.

Nicht zum ersten Mal. Seit Ronald Reagans Zeiten 1984 hat sich Lichtman als beständiger Nostradamus erwiesen, wenn es zwischen Republikanern und Demokraten um Amerikas Top-Job ging. Seine Faustregel: Mindestens sechs Schlüsselfaktoren müssen vorhanden sein, damit eine Partei der anderen die Macht im Weißen Haus entwinden kann.

Sieben Argumente für Biden

Trumps Herausforderer Joe Biden kann sieben davon für sich verbuchen. Trump wäre damit nach nur einer Amtszeit raus. In einem Videobeitrag für die New York Times legte Lichtman die Faktoren dar, die nach seiner Überzeugung voraussichtlich zur Abwahl Trumps führen werden.

Für den Demokraten Biden spricht demnach: Erstens der komfortable Sieg der Demokraten im Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen vor zwei Jahren. Zweitens der durch das Coronavirus bedingte schnelle Absturz der US-Wirtschaft in die Rezession. Drittens die Aussicht auf eine langfristig schlechte ökonomische Lage, weil die Kollateralschäden der Epidemie zu groß sind. Viertens die Zunahme sozialer Unruhen und Proteste als Folge der Polizei-Brutalität gegen Afroamerikaner. Fünftens die vielen Skandale, die Trumps Präsidentschaft umgeben. Sechstens das Ausbleiben substanzieller außenpolitischer oder militärischer Erfolge der Regierung Trump. Und siebentens die nur kleine Teile der Wählerschaft beeindruckenden Showmann-Qualität Trumps, der kein charismatischer Amtsinhaber ist.

Wenig Punkte für Trump

Auf der Haben-Seite Trumps sieht der Wissenschaftler unter anderem, dass er bei den Republikanern keinen echten parteiinternen Rivalen hatte. Aber auch, dass Herausforderer Joe Biden nicht inspirierend ist. So sagt Lichtman Trump und den Republikanern ein „politisches Erdbeben“ voraus.

Einzige Einschränkung: Es gebe Faktoren, die heute noch nicht eingepreist werden könnten. Etwa die Dimension der Wahl-Unterdrückung, die Trump und seine Strategen ausübten, in dem sie die Briefwahl madig machten oder versuchten, Minderheiten durch bürokratische Auflagen vom Wählen abzuhalten. Auch der Einfluss auswärtiger Mächte wie Russland könne eine Rolle spielen, wenn es ihnen gelänge, die Wahlentscheidungen der Amerikaner durch manipulative Vorstöße etwa in sozialen Netzwerken in die eine oder andere Richtung zu lenken.

Lichtman, politisch bei den Demokraten zu verorten, ruft sein Publikum auf, unbedingt am demokratischen Entscheidungsprozess teilzunehmen: „Geht raus und wählt!“

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